Finanzspritze für die Turmspitze

KIRCHEN: Förderverein Groß Lüben erleichtert

GROSS LÜBEN - Große Freude herrscht dieser Tage in Groß Lüben. Dem langersehnten Wiederaufbau der Kirchturmspitze steht nun nichts mehr im Wege. Das Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung fördert das Projekt mit rund 103 000 Euro. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten beginnen und sich bis ins folgende Jahr hinziehen. Pünktlich zum Dorfjubiläum 2014 soll der Turm dann wieder seine Funktion als von weitem sichtbares Wahrzeichen Groß Lübens innehaben.

"Wir freuen uns natürlich riesig", sagte gestern Bernhard Behrens. Er ist Vorsitzender des Kirchturm-Fördervereins, der sich im September 2003 gründete. Gemeinsam mit anderen Groß Lübenern organisierte er etwa 70 Benefiz-Veranstaltungen mit dem Ziel, Geld für den Wiederaufbau der Turmspitze zu sammeln. Die zahlreichen Konzerte, Lesungen und Ausstellungen bereicherten zudem das kulturelle Leben im Dorf. Doch mit der Zeit sollte sich herausstellen, dass der Förderverein es allein nicht schaffen würde, die Baumaßnahme zu finanzieren.

Schon im Vorjahr hatte der Förderverein deshalb einen Antrag auf einen Zuschuss aus dem europäischen Fonds für Ländliche Entwicklung beziehungsweise Leader-Plus gestellt. Doch da der brandenburgische Finanzminister eine Haushaltssperre verhängt hatte, floss das Geld zunächst nicht. Im Herbst wurde sie aufgehoben doch nur für Anträge, die von Körperschaften öffentlichen Rechts gestellt worden waren. Der privat organisierte Förderverein fiel durchs Raster. "Da die Kirche eine solche Körperschaft darstellt, haben wir den Antrag umformuliert und neu eingereicht", erzählte Behrens.

Genehmigt wurde das Projekt übrigens, weil es sich bei der Groß Lübener Kirche um ein überregional bedeutsames Denkmal handelt. Das im Jahre 1904 eingeweihte Gotteshaus mutet für ein kleines Dorf geradezu städtisch an. Laut Behrens ist dies dem Umstand zuzuschreiben, dass die Groß Lübener Kirchgemeinde recht wohlhabend und kapitalkräftig genug war, 60 000 Goldmark aus eigener Tasche für den Bau auszugeben. Mit der Ausgestaltung des Innenraums wurde etwa der Maler und Mosaikkünstler August Oetken betraut. Er verzierte unter anderem die Elisabethkemenate auf der Wartburg bei Eisenach.

Unter Schutz wurde das Gotteshaus bereits im Jahre 1977 gestellt. Dem Erhalt des Gebäudes nutzte dies nur bedingt. Statt es instandzusetzen, ließ man es verfallen. Bei einem Sturm am 21. Mai 1984 krachte dann der Turm aufs Dach des Kirchenschiffes und hinterließ ein Bild der Zerstörung. Statt den Turm komplett zu erneuern, schloss man die Öffnung mit einem Flachdach.

"Niemand braucht Angst zu haben, dass in Groß Lüben nichts mehr los ist, wenn der Turm fertig ist ", sagt Behrens. Der Förderverein wolle noch viele weitere Projekte realisieren. Eines davon sei die Restaurierung der Malereien in der Kirche. (Von Dorothea von Dahlen)

Märkische Allgemeine vom 02. August 2011

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