Regionale Kulturgeschichte vielfältig erlebt

PITSCHEN-PICKEL Einblicke in Zeitzeugnisse regionaler Kulturgeschichte, verbunden mit Orgelklängen und entspanntem Landschaftserlebnis hat die Kirchenradtour am Samstag geboten. Ziele der geführten Exkursion des Förderkreises "Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz" waren diesmal die Gotteshäuser in Pitschen-Pickel, Krossen und Jetsch. In Zieckau fand sie mit einem Konzert der Reihe "Mixtur im Bass", dargeboten von der polnischen Organistin Anna Firlus, ihren Abschluss.

 
Mit dem Fahrrad von Kirche zu Kirche. Hier starten die Teilnehmer an der Dorfkirche in Jetsch.
Foto: Keilbach/bkh1

Für Renate und Hermann Beland aus Berlin-Lichterfelde ist die Kirchenradtour immer wieder ein Erlebnis. "Wir genießen jedes Jahr die Fahrt durch die Landschaft. Abseits vom Autoverkehr führte sie auch diesmal wieder über eine wunderbare Strecke zu den schönen alten Kirchen mit ihrer Jahrhunderte langen Geschichte", schwärmte Hermann Beland. Das spezielle Interesse des Ehepaars gilt den Orgeln in den Dorfkirchen. Hier konnten sie am Samstag eine klangliche Vielfalt erleben, die von der Romantik in Pitschen-Pickel über die Moderne in Krossen bis zum Barock in Zieckau reichte.

"Der Klang in Krossen hatte schon eine erschreckende Schärfe", stellte Renate Beland fest. Den Grund dafür erläuterte der Orgelsachverständige Albrecht Bönisch. Das Instrument sei 1970 von der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke in schlichtem Stil gebaut worden. "Auch der Klang sollte modern sein, und so bringt sie einen hellen scharfen Ton hervor", erläuterte der Fachmann. Beim gemeinsamen Gesang wurde dieser zwar etwas abgemildert, war für die Zuhörer dennoch ungewohnt. Details zur Baugeschichte und Ausstattung der im 15. Jahrhundert begründeten und 1745 grundlegend erneuerten Kirche erläuterte die Vorsitzende des Förderkreises, Annegret Gehrmann. 1996 habe die Kirchengemeinde in Eigenregie den Dachstuhl und das Dach saniert, ergänzte der Kirchenälteste Karl-Heinz Schober. "Vorher hatten wir bei Sturm immer Probleme mit wegfliegenden Ziegeln. Jetzt sind sie gut befestigt", nannte er den Grund.

An der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kirche in Jetsch wies Annegret Gehrmann auf die in jüngster Zeit wechselvolle Geschichte der Turmhaube hin. Nach 1985 erfolgte im Jahr 2007 eine erneute Sanierung einschließlich neuer Abdeckung aus Zinkblech. Zwei Jahre später habe hier der Blitz eingeschlagen, was nochmals eine Reparatur von Holzkonstruktion und Haube erforderte. Im Jahr 2009 habe die Kirchengemeinde die barocken Fenster denkmalgerecht sanieren lassen, ergänzte sie.

Die gleichfalls im 14. Jahrhundert errichtete Zieckauer Kirche sei 1945 von sowjetischen Soldaten als Pferdestall genutzt worden, erläuterte Lothar Treder-Schmidt. Alles Vorhandene sei entfernt worden. Die heutige Ausstattung stamme aus der einstigen Luckauer Hospitalkirche, erklärte er. Die gleichfalls von dort umgesetzte Glietsch-Orgel (1842) passe gut zum Kirchenraum und sei mit großem Engagement der Kirchengemeinde wieder in Ordnung gebracht worden, so Schober.

Seit 16 Jahren veranstalte diese in Zieckau Konzerte und Liederabende. Im Detail brachte Albrecht Bönisch Besonderheiten des Instruments vor dem Konzert nahe. "Die Kombination von Natur und Kultur auf dieser Radtour finde ich ganz toll", sagte Gisela Lemm begeistert. "Die Kirchen sind für mich in einem überraschend guten Zustand. Die Patronatswappen und den typischen Kanzelaltar habe ich hier kennengelernt", war die Berlinerin erfreut.

"Wir haben heute eine Ecke der Region entdeckt, die wir noch nicht kannten", sagte der Lübbener Gerhard Gröke. Die thematische Radtour sei ein guter Beitrag dazu, diese alten Kirchen ins Blickfeld zu rücken, damit sie als Zeugnisse der Kulturgeschichte erhalten bleiben, fügte seine Frau Dagmar an.

Von Birgit Keilbach

Lausitzer Rundschau vom 25. Juli 2011

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