Geld für Kampf gegen Pilz

Stendell (moz) Wohl selten wurde eine Kirche so aufwendig saniert, aber auch wohl selten wurde eine Kirche so massiv vom Hausschwamm zerfressen. Der Turm musste schon komplett heruntergenommen und erneuert werden. Am Donnerstag gab es nun auch Geld für die Reparatur des Kirchendachs.

 
Mit großen Scheinen im Gepäck: Ministerin Sabine Kunst (3. v. r.) und Bischof Markus Dröge (l.) übergaben Fördermittel für die Kirche Stendell. Mit einem Chemikalienbad des Dachstuhls wurde gegen den Hausschwamm gekämpft.
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Seit zwei Jahren fand kein Gottesdienst mehr in der Kirche Stendell statt. Seitdem ist man an der aufwendigen Sanierung des altehrwürdigen Bauwerks. Selbst die Orgel wurde ausgebaut, damit sie durch die Sanierung nicht zu Schaden kommt.

Die Wurzeln der Kirche, der rechteckige Feldsteinbau ist noch zu erkennen, gehen zurück bis ins 13. Jahrhundert. Ein Gutachten bescheinigte der Kirche vor ein paar Jahren einen katastrophalen Zustand. Die uralten Holzbalken sind zwar sehr dick, doch hat sich hier der Hausschwamm massiv eingefressen. Der zerstörerische Pilz zerbröselte die tragenden Holzbalken des Hauses gefährlich. 2002 musste man sogar den Innenraum abstützen.

55 000 Euro gab es am Donnerstag für die Sanierung des Kirchenschiffdachs vom Land. Kulturministerin Sabine Kunst übergab den Fördermittelbescheid in Stendell gemeinsam mit Markus Dröge, Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Insgesamt kostet der Bauabschnitt 168 000 Euro. Von der Kirche kommen zudem 80 000 Euro, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Kiba-Stiftung je 12 500 Euro sowie vom Landkreis 7500 Euro. Die Ministerin lobte das Engagement des Stendeller Kirchen-Fördervereins: "Es ist bemerkenswert, wie sie so kontinuierlich über Jahre für die Sanierung der Kirche gekämpft haben", sagte sie.

Im Mai haben bereits die Arbeiten am Kirchendach, dem zweiten Bauabschnitt, begonnen. Das Dach wurde abgenommen. "Zum Glück waren die Schäden darunter nicht derart enorm, wie wir zuerst befürchteten", sagt Helmut Horling, der im Bauausschuss der Kirchgemeinde sitzt. Viele der dicken Holzbalken, die teilweise 300 Jahre alt sind, konnten gerettet werden, kaputt waren vor allem die Köpfe an den Balkenenden. Gerade die wichtigen Dachsparren, also die nach oben zur Spitze zulaufenden Balken, seien bis auf einen intakt gewesen, erzählt er.

Nicht nur Teile des Holzes waren zerstört, auch die Mauerkrone. Ein halber Meter von ihr musste abgetragen und später neu aufgemauert werden. Der Dachstuhl und die Mauerkrone wurden komplett eingehaust und für 24 Stunden in ein Chemikalienbad getaucht. "Was hoffentlich die weitere Ausbreitung des Hausschwamms verhindert", so Helmut Horling.

Zurzeit wird der Giebel von Maurern bearbeitet, weil auch hier Steine herausbröselten. Die uralten Dachziegel waren zu zerstört, um wieder verwendet zu werden. Gut erhaltene Stücke werden aber aufgehoben. "Wir haben sie sorgfältig sortiert", so Horling. Sie können an anderen alten Bauwerken zum Reparieren eingesetzt werden. Das Dach des Schiffes wird danach wieder komplett mit rotbraunen Biberschwänzen gedeckt. Anfang Oktober soll das Dach bereits fertig sein.

Der 30 Meter hohe Kirchturm wurde im vergangenen Jahr saniert. Dazu wurde er komplett abgetragen und wieder aufgebaut. Die Einzelteile wurden nach Luckau geschickt, dort erneuert, wieder zusammengesetzt und in Stendell aufgebaut. 220 000 Euro kostete bereits dieser erste Bauabschnitt. "Es ist ganz wunderbar gelaufen", freut sich Helmut Horling von der Kirchgemeinde. Der Turm ist mit Lärchenholz verkleidet, mit wunderbar detailreichen Verzierungen. Die Witterung wird das unbehandelte Holz mit der Zeit silbergrau färben.

Doch auch nach dem ersten und zweiten Bauabschnitt gibt es noch viel zu tun. "Wir müssen noch die Außenfassade zwischen den Feldsteinen verfugen", erzählt Horling. Auch im Innenraum lief das Wasser die Wände herunter, sie müssen wieder weiß gestrichen werden. Noch fehlt dafür das Geld. Den ersten Gottesdienst in der Kirche wird es also frühestens im nächsten Jahr geben.

Märkische Oderzeitung vom 15. Juli 2011

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