Gerüstbauer lassen auf sich warten

DENKMALSCHUTZ: In diesen Tagen soll die Fassadensanierung der Sankt-Marien-Andreas-Kirche beginnen

RATHENOW - Eigentlich hätten die ersten Arbeiten für den nächsten Abschnitt des Wiederaufbaus der Sankt-Marien-Andreas-Kirche schon beginnen sollen. Die Gerüstbauer waren für Montag angekündigt, doch sind sie bis gestern Nachmittag noch nicht erschienen. Pfarrer Andreas Buchholz ist über die Verzögerung nicht erfreut. Doch übt er sich in Gelassenheit und sagt: "Wir hatten geplant, erst den Arbeitsbeginn der Maurer und Glaser mit einer Andacht zu feiern." Den Termin dafür könne er nun verständlicherweise noch nicht nennen, er werde ihn aber rechtzeitig bekannt geben.

Zum nun unmittelbar bevorstehenden Bauabschnitt gehören die Sanierung der Fassade des Hauptschiffes und die Erneuerung der Fenster. Zehn große Fenster gibt es im Hauptschiff und ein paar kleinere. Damit die Maurer und Glaser richtig arbeiten können, soll ein Gerüst außerhalb und ein weiteres Gerüst innerhalb der Kirche aufgestellt werden. Wie Pfarrer Andreas Buchholz sagt, sollen die geplanten Gottesdienste und Veranstaltungen in der Kirche durch die Bauarbeiten nicht beeinträchtigt werden.

Die Glaser werden von innen Fenster für Fenster erneuern. Nach längeren Diskussionen ist nun auch klar, wie die neuen Fenster aussehen werden. Die Elemente, bislang noch in rechteckiger Form, werden künftig eine Rautenform (ein Drachenviereck) haben. Pfarrer Buchholz hat mitgeteilt, dass im Bauarchiv der Kreisverwaltung Fotos der Kirche aus der Zeit vor 1945 entdeckt worden sind. Darauf seien ganz klar Fensterelemente in Rautenform zu erkennen, deshalb sollen solche auch wieder eingesetzt werden. Verwendet wird Goetheglas, das wegen seiner minimal unregelmäßigen Oberfläche häufig bei der Restaurierung historischer Fenster verwendet wird. Es hat nach außen eine verminderte Spiegelwirkung und kann auch in größeren Stärken als normales Glas verwendet werden.

Bei der Sankt-Marien-Andreas-Kirche wird das Fensterglas fünf Millimeter dick sein. Die dadurch erreichbare große Stabilität hat das Ergebnis, dass kein weiterer Schutz der Fenster vorgesehen ist. Man hatte im Vorfeld erwogen, die Fenster im Hauptschiff nach außen so wie jetzt auch wieder durch Drahtgitter zu schützen. Das ist jetzt nicht mehr vorgesehen.

"Wir freuen uns sehr", hat Pfarrer Buchholz gesagt, "dass die Fenster künftig wieder so aussehen werden, wie es vor 1945 war." Die Windeisen, gemeint sind die Querstreben in den Fenstern, bleiben erhalten und sollen fachgerecht aufgearbeitet werden. Im Vorfeld der Fassadensanierung hat der Denkmalschutz ganz genau festgelegt, welche Steine auszutauschen sind. Die Kirchengemeinde musste dazu von einem Fachbetrieb spezielle Messbilder aufnehmen lassen, die entzerrt werden und jeden Stein präzise abbilden. Natürlich wird die Fassade neu verfugt. In die Erde hinein geht es aber nicht, weil der Sockel der Kirche schon vor einigen Jahren saniert worden ist, als der Kirchberg ein neues Pflaster bekam.

Auf der Südseite des Hauptschiffs ist eine uralte Putzleiste entdeckt worden, die in Resten vorhanden ist und erhalten werden soll. Für die diesjährigen Arbeiten ist ein Kostenrahmen von 200 000 Euro vorgesehen. 80 000 Euro davon bringt der Förderkreis zum Wiederaufbau der Kirche auf.

Ebenfalls noch in diesem Jahr soll die Marienkapelle auf der Nordseite der Kirche neue Gewölbe erhalten. Wie Pfarrer Buchholz sagt, reiht sich dieses Projekt aber nicht in die Fassadensanierung ein. Es ist ein extra Vorhaben, das 40 000 Euro kosten soll und komplett vom Förderkreis finanziert wird. Der Auftrag für die Marienkapelle ist bereits vergeben, wann genau die Arbeiten beginnen, steht aber noch nicht fest. Sicher ist, dass die Marienkapelle bis zum Beginn der kalten Jahreszeit neue Gewölbe haben soll. Für den Abschluss der Fassadensanierung ist November als Zieldatum für die Fertigstellung angegeben.

Übrigens ist die Höhe des Kirchturms ganz genau bestimmt worden, als die Messbilder für die Fassade aufgenommen wurden. In den Quellen sind nämlich manchmal 76 Meter, manchmal 77 Meter angegeben. Von der Pflasterkante gemessen, ist der Turm genau 77,004 Meter hoch. Genau: Die "4" am Ende steht für vier Millimeter. (Von Bernd Geske)

Märkische Allgemeine vom 08. Juli 2011

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