Computer belüftet Kirche

SANIERUNG: Feuchtigkeit stoppt Erneuerung des Beelitzer Wahrzeichens / Klimaanlage soll Nässe verdrängen

BEELITZ - Die innere Sanierung der Stadtpfarrkirche in Beelitz ist bis zum Frühjahr 2012 abgebrochen worden. Die Feuchtigkeit in den Wänden und im Boden des Gotteshauses lassen jede weitere Erneuerung aussichtslos erscheinen. Aktuelle Messungen, die noch etwa ein Jahr lang vorgenommen werden sollen, weisen einen Feuchtigkeitsgehalt bis zu 90 Prozent aus. Im Kirchenschiff sind die Fundamente freigelegt und der Putz am Sockel der Wände abgeschlagen, um den Bau trockenlegen zu können. Doch das Wasser dringt immer wieder von unten nach, sagt Pfarrer Olaf Prelwitz verzweifelt.

Ein elektronisches Belüftungssystem soll jetzt den Kirchenbau weitestgehend austrocknen. Per Computer können die Kirchenfenster je nach Wetter und Witterung automatisch geöffnet beziehungsweise geschlossen werden. Sensoren am und im Haus messen die Windstärke, die Außen- und Innenfeuchtigkeit sowie die Außen- und Innentemperaturen. Das Steuergerät in der Sakristei reagiert selbstständig nach einem präzise vorgegebenen Wert. Eine Augsburger Firma hat das Grundgerät hergestellt. Für die individuellen Anforderungen in der Stadtpfarrkirche hat der Beelitzer Elektromeister Andreas Kramer das Gerät ausgerüstet und in dreiwöchiger Arbeit in der Kirche installiert.

Die Ergebnisse dieser Belüftung werden dokumentiert. "Wir haben an den Wänden schon sehen können, dass die Feuchtigkeit zurückgeht", berichtet Prelwitz. Vollkommen austrocknen kann er seine Kirche auch mit dem Belüftungssystem nicht, weiß der Pfarrer. Doch erst wenn die Feuchtigkeit weitestgehend zurückgedrängt worden ist, kann über weitere Sanierungsarbeiten wie das Neuverputzen der Wände und Säulen sowie über die künftige Nutzung der Kirche über ihre sakrale Funktion hinaus überhaupt erst nachgedacht werden. Bange sieht Prelwitz den Monaten November/Dezember entgegen, in denen alljährlich das Grundwasser steigt und manchen Keller in der Nachbarschaft schon geflutet hat.

Um die Ursache für die Feuchtigkeit in der Kirche zu ergründen, hat Prelwitz auch von außen ein etwa zehn Meter langes Stück Fundament freilegen lassen. Dabei war entdeckt worden, dass unter einer Granitschicht Klinker liegen, die das Wasser offenbar immer wieder durchlassen. Drei Strömungen waren dabei festgestellt worden: Grundwasser, das in den Jahren um bis zu 70 Zentimeter gestiegen ist, Schichtenwasser, das sich infolge eines früheren Absackens der Kirche gebildet hat, sowie Regenwasser, das vom Kirchplatz in Richtung Kirche fließt. Als der Platz in den 1990-iger Jahren angelegt worden war, hatte man offenbar die Regenwasserableitung nicht richtig berechnet.

Das gesamte Fundament von außen freilegen lassen kann die Kirchengemeinde nicht, da ihr kein Zentimeter des Kirchplatzes gehört. Ob die Stadt das erlauben würde, ist ungewiss. Dazu müsste sie einen etwa drei Meter breiten Streifen um die Kirche opfern. Das würde den Platz für das traditionelle Spargelfest einengen, soll Prelwitz schon geantwortet worden sein. Außerdem ist der Kirchplatz mit Fördermitteln wiederhergestellt worden und nicht auszuschließen, dass ein Teil davon vielleicht wieder zurückgezahlt werden müsste.

Die Sanierung der Kirche hatte 2009 begonnen. Inzwischen ist die Gebäudehülle fast komplett erneuert. Etwa 289 000 Euro an Fördergeldern wurden bislang für die Rekonstruktion ausgegeben. Die Kosten für die gesamte Sanierung schätzt Prelwitz auf 900 000 Euro, von denen noch 600 000 Euro aufzubringen sind. Somit ist völlig offen, wann das Beelitzer Wahrzeichen auch innen wieder in altem Glanz erstrahlen kann. (Von Heinz Helwig)

Silberstreif am Horizont

Heinz Helwig über die komplizierte Sanierung der Stadtpfarrkirche in Beelitz

Die innere Rekonstruktion der Stadtpfarrkirche in Beelitz fällt bis auf weiteres im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Kein neuer Deckenbalken, kein Fußboden und kein Wandputz oder keine Farbe wird lange halten, bevor nicht die Feuchtigkeit aus Wänden und Böden heraus ist. Das neue Belüftungssystem ist jetzt der berühmte Silberstreif am Horizont, dass die Kirche weitestgehend trocken gelegt und die Sanierungsarbeiten irgendwann einmal fortgesetzt werden können.

Allmählich stoßen die Beelitzer Kirchengemeinde und der eigens für den Erhalt der Kirche gegründete Förderverein allerdings an die Grenzen ihrer Kräfte. Die Stadtpfarrkirche ist nicht nur ein gewöhnliches Gotteshaus, sondern das Wahrzeichen der Stadt Beelitz. Die Stadtväter haben ihre Verantwortung erkannt, als sie in ihrer jüngsten Zusammenkunft beschlossen, dem Förderverein jetzt beizutreten. Natürlich wird es nicht allein bei den 25 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr bleiben. Dazu braucht die Stadtpfarrkirche einfach zu viel Unterstützung, um erhalten zu bleiben.

Aber kaum ein Beelitzer kann sich wohl ernsthaft vorstellen, dass der rote Backsteinbau im Zentrum der Altstadt vielleicht einmal nur noch eine schöne Erinnerung auf einer vergilbten Postkarte ist.

Märkische Allgemeine vom 30. Juni 2011

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