Göttlich von innen und außen

Cöthen (moz) Drei Jahre geschah nichts. Jetzt sind die Bauarbeiten an der Cöthener Dorfkirche wieder in vollem Gange. Die Außenfassade soll in diesem Jahr fertig werden. Aber auch im Innenraum wird es Veränderungen geben.

 
© Marco Marschall

Das Gotteshaus in Cöthen ist sein neustes Projekt. In Sachen Kirchensanierung ist Ulf-Winfried Radtke kein Novize. Als Pfarrer ist er für die Gemeinden Falkenberg, Dannenberg, Niederfinow-Liepe, Hohenfinow und Cöthen unterwegs. In nahezu allen Orten hat er die Sanierung der Gotteshäuser begleitet. "Die letzte war die Kirche in Hohenfinow und die ist ein echtes Schmuckstück geworden", sagt er. Nun soll auch die Cöthener Dorfkirche so ein Schmuckstück werden. Mitte Mai begannen die Bauarbeiten an der Außenfassade.

Eigentlich befindet sich die Kirche bereits seit längerem im Bau. Vor drei Jahren wurde das Dach erneuert. Der gesamte Dachstuhl war mit Schwamm besetzt, musste durch Teleskopstangen vorm Einstürzen gestützt werden. Schließlich konnte durch das ILE-Förderprogramm, den Förderverein und die Eigenmittel der Kirche genug Geld zusammengekratzt werden, um den Dachstuhl rundzuerneuern. Zu diesem Zweck wurde sogar das Pfarrhaus schräg gegenüber der Kirche verkauft. Mehr als 200 000 Euro wurden damals für Turm und Kirchenschiff aufgebracht. Dann war der Klingelbeutel leer. Drei Jahre geschah nichts. Über die Lokale Aktionsgruppe Märkisch-Oderland wurden in diesem Jahr dann erneut Fördergelder für das Cöthener Gotteshaus locker gemacht, die nun mit in die weitere Sanierung fließen. 265 000 Euro wird diese kosten, verrät Pfarrer Radtke. Darin enthalten sind die Neuverputzung der Außenhülle, die Erneuerung der Fenster durch Altmaterialien sowie die Sanierung des Innenraums. Denn hinter den heiligen Mauern ist die Kirche in desolatem Zustand.

Die Innenhaut des Kirchenschiffs wird neu verputzt. Wenn es nach Ulf-Winfried Radtke geht in einem zarten mintgrün. Reste eines solchen Anstrichs finden sich noch an den Wänden des Raumes. Ein dunkleres taubengrau ist der zweite entdeckte Farbüberrest. Letztendlich obliegt die Entscheidung, wie auch bei der Farbe für den äußeren Anstrich der Denkmalschutzbehörde.

Noch in diesem Jahr soll die Kirche zumindest von außen wieder erstrahlen. Das Ende der Arbeiten für den Innenraum schätzt Ulf-Winfried Radtke auf Pfingsten 2012. "Vielleicht wird aber auch alles schon früher fertig. Es soll ja Wunder geben", sagt er. Ob die Gemeindemitglieder vielleicht sogar schon zur Christvesper staunen dürfen, bleibt abzuwarten. In den Jahren darauf sollen sie es jedenfalls wärmer haben in ihrem Gotteshaus. Die Sanierungsarbeiten beinhalten eine Winterkirche, die unter der Empore durch Glaswände vom restlichen Raum abgetrennt und beheizt werden soll eine Neuerung, die der Pfarrer als wichtigen Punkt hervorhebt.

Die weitere Raumgestaltung hängt noch von den finanziellen Mitteln ab. Die Erneuerung von Lampen, Bänken und Altar ist bisher nichts als ein frommer Wunsch. Auch die Kirchenorgel wird wohl vorerst nicht wieder erklingen. Ungebetene Gäste haben über fünfzig Jahre ihre Pfeifen als Andenken mitgenommen. Zu DDR-Zeiten wurde der Ort vielfach von Hobby-Abenteurern besucht, die sich auch auf den Wänden verewigt haben. Die DDR-Obrigkeit interessierte sich nicht für Gotteshäuser.

Einen besonderen Lichtblick wird es, laut Pfarrer Radtke, aber schon in wenigen Wochen geben. Dann nämlich wird die alte Glocke vom Restaurator aus dem bayrischen Lachingen zurückgebracht. Jahrelang hing diese in einem Glockenstuhl auf dem Gelände des Pfarrhauses. Nun wird sie an ihren Ursprungsort, den alten Kirchenturm, zurückgeführt. Bis die komplette Kirche wieder zum Schmuckstück gereift ist, braucht es noch Geduld. Aber diese sei, laut Pfarrer Radtke, ja auch eine christliche Tugend.

Märkische Oderzeitung vom 03. Juni 2011

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