Sanierung folgt aufs Schauspiel

KIRCHE: Der Turm des Kehrberger Gotteshauses wird instand gesetzt

KEHRBERG - Sobald die Eule mit ihrem Nachwuchs den Turm der Christus-Kirche in Kehrberg (Gemeinde Groß Pankow) verlassen hat, werden wohl die Sanierungsarbeiten beginnen. "In vier bis fünf Wochen könnte es soweit sein", sagt Reinhard Wilhelm vom Förderverein. Bis dahin ist auch die für den 19. Juni angesetzte Aufführung des Historienspektakels "Der Wunderknabe zu Kehrberg" vor dem Gotteshaus über die Bühne gegangen.

Das Theaterstück über die Geschichte von Johann Ludwig Hohenstein, der im Jahre 1734 mit seinen bloßen Händen Kranke geheilt haben soll, hat einen Anteil daran, dass die Sanierung nun Wirklichkeit wird. "Die Aufführungen sind ein Zeichen unserer Bemühungen, dass es jetzt vorwärts geht", sagt Reinhard Wilhelm. Der Wunderknabe lenkte sozusagen das Augenmerk wieder auf die Feldsteinkirche mit dem Fachwerk-Turmaufsatz. Außerdem kamen durch die Aufführungen Spenden für die Instandsetzung zusammen.

Der Hauptanteil des für die Sanierung benötigten Geldes sind jedoch Fördermittel, die nach dem Staatskirchenvertrag ausgereicht werden. Außerdem unterstützt das kreisliche Denkmalschutzamt, der Förderverein "Alte Kirchen" und das Konsistorium der Landeskirche die Kirchengemeinde. Weiteres Geld steuern der Kirchenkreis, die -gemeinde selbst und eben der Förderverein hinzu. Rund 400 000 Euro werden benötigt, um alle geplanten Arbeiten auszuführen.

Im Mittelpunkt des ersten Bauabschnittes steht der Turm. Vor geraumer Zeit gab es bereits eine Notsicherung der Fachwerkgefache. Damit sich daraus keine Steine lösen und herunterfallen können, wurden Bretter als Verstrebungen angebracht. Außer der Reparatur der Gefache soll auch das Turmdach erneuert werden. Insgesamt sind nach Auskunft von Reinhard Wilhelm drei Bauabschnitte vorgesehen. Die anderen beiden betreffen das Kirchenschiff und den -chor. Vor vier Jahren war Erdreich links und rechts vom Kirchenschiff abgetragen worden, damit das Regenwasser besser abläuft. Bis dahin gelangte ins Mauerwerk Feuchtigkeit, die sich bis ins Gebälk hochzog.

In einer Vitrine im Eingangsbereich der Kirche ist eine schätzungsweise mehr als 200 Jahre alte Flasche ausgestellt, die bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden gefunden wurden. Der sich über Jahrhunderte angesammelte Abfall füllte 131 Schubkarren. Auf der Flasche befindet sich ein Wappen, wahrscheinlich der preußische Adler. Die Flasche sei nicht industriell gefertigt, sondern stamme aus einer Manufaktur, vermutet Reinhard Wilhelm. Im Eingang ist auch die alte Turmbekrönung ausgestellt. Diese war im Jahre 2005 durch eine neue Bekrönung bestehend aus einer Haube, Lanze, Kugel und einem Kreuz ersetzt worden.

Nach der Sanierung soll ein Turmraum für eine Ausstellung über den Wunderknaben genutzt werden. Gezeigt werden könnte dort zum Beispiel Literatur über den Dreijährigen oder einige der bei den Aufführungen verwendeten Kostüme. An der Theater-Aufführung im nächsten Monat ist auch Reinhard Wilhelm beteiligt. Er spielt einen Soldaten, der im Auftrag des Königs das Kehrberger Wunderkind verhaften soll. (Von Axel Knopf)

Mehr Besucher

Ein Plus an Besuchern, die sich Kehrbergs Kirche ansehen, verzeichnet Reinhard Wilhelm seit Beginn der Wunderknaben-Aufführungen. Der Kehrberger führt Interessierte durchs Gotteshaus. Der Vorläufer der bisher drei Theater-Inszenierungen war im Jahr 2007 eine szenische Lesung.

Aufgeführt wird das Stück "Der Wunderknabe" wieder am Sonntag, 19. Juni, um 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Veranstalter bitten lediglich um eine Spende für die Sanierung der Kirche. Anschließend lädt der Förderverein zu einem Fest im Geiste des 18. Jahrhunderts ein. Axe

Märkische Allgemeine vom 20. Mai 2011

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