Ein Festgottesdienst für die Kirche im Dorf

INITIATIVE: Brügge macht mobil 200 000 Euro werden fürs Dach gebraucht

BRÜGGE - Als die Glocke auf dem Brügger Kirchturm gestern läutete, da war das eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen das jetzt bereits der Fall ist. Zwei Männer aus dem Dorf mussten die Seile betätigen und auch ansonsten ist im alten Gotteshaus noch vieles beim Alten. Das soll allerdings so nicht bleiben, denn durch den Dachstuhl tropft der Regen, deutlich sichtbar an den Feuchtespuren an der Decke der Kirche mit der schmucken Kanzel; und die Frauen am Kuchenbüfett im Erdgeschoss sorgten aufmerksam dafür, dass ihr Kuchen geschützt blieb weil vom Obergeschoss vereinzelt ein wenig Sand herunter rieselt.

Schon seit mehreren Jahren macht der Falkenhagener Kurt Zander mobil für das Gotteshaus, dessen Entwurf von einem Baumeister stammt, der später am preußischen Hof Karriere gemacht hat: Reinhold Persius brachte es als einfacher Bauarbeiter, später als Hofbaurat und Hofarchitekt des Kaiserhauses an den Potsdamer Schlössern zu beträchtlichem Ansehen.

"Wir haben Generalsuperintendentin Heilgard Asmus Anfang des Jahres bei einem Treffen viel von unserem Vorhaben erzählt", sagt Kurt Zander, "daraufhin hat sie spontan gesagt, dass sie gerne einen Gottesdienst in der Brügger Kirche halten wolle."

Das war nun gestern der Fall umrahmt mit Musik vom Falkenhagener Posaunenchor fand in der mit Flieder geschmückten Kirche der Festgottesdienst statt. "Genau feststellbar ist es gerade nicht, ob dies ein Bau-Gottesdienst oder Rekonstruktions-Gottesdienst ist", sagte Asmus in ihrer Predigt, "aber eventuell ist es auch einfach ein Hoffnungs-Gottesdienst", umschrieb sie, was an diesem Tag in der gut besetzten Brügger Kirche stattfand.

Hoffnung haben die Brügger auf alle Fälle. Zwar hat die Kirche seit vergangenem Jahr mit einem Stern über dem Altar heute wieder Licht, den hatten junge Leute aus dem Dorf dort wieder aufgehängt. "Aber mit solchen kleinen Maßnahmen ist es jetzt nicht mehr getan", sagt Zander: "Und auch mit 5000 oder 6000 Euro für einzelne kleinere Maßnahmen nicht mehr. Wir brauchen jetzt richtig viel Geld." 200 000 Euro heißt das konkret: denn so viel kostet das neue Dach.

"Der Kirchenkreis hat kein Geld, und auch das Konsistorium ist knapp bei Kasse", weiß Zander, "insofern müssen wir selbst aktiv werden Unterstützung wurde uns schon zugesagt." Hatten die Brügger bisher darüber nachgedacht, die Initiative unter dem Dach eines anderen Vereins anzusiedeln, wird es nun wohl doch ein eigener Förderverein, wie Zander sagt: "Nur mit einem Verein ist es möglich, Spenden zu sammeln und Finanzierungen abwickeln zu können."

Den ersten Schritt dazu tat die Gemeinde an diesem Tag mit einem prachtvollen Benefiz-Kuchenbüfett und mit einer funkelnagelneuen Gedenktafel. Die verweist auf den später berühmten Brügger Baumeister und soll vorübergehend zunächst im Innenraum der Kirche, später dann draußen an der Eingangstür ihren Platz finden. (Von Claudia Bihler)

Märkische Allgemeine vom 16. Mai 2011

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