Mit dem Löwen durch St. Marien

Beeskow (moz) "Schaut, schaut ... Sankt Marien für Kinder" mit dieser Titelzeile lädt der erste Beeskower Kinderkirchenführer die Jüngsten ein, das ehrwürdige Gebäude anlässlich seines 500. Geburtstages zu entdecken. Möglich haben das drei Frauen gemacht: Waltraud Johne (Zeichnung), ihre Tochter Dorothea (Gestaltung) und Dorothee Schmidt-Breitung (Text).

 
Blattgold im Umschlag: Der "Schatz" ist Teil des Kinder-Kirchenführers, der Ende Mai aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums von St. Marien herauskommt. Waltraud Johne und Dorothee Schmidt-Breitung (r.) haben ihn erarbeitet.
© Karl-Heinz Arendsee

Knut Krüger, der Vorsitzende des Fördervereins Marienkirche, gilt immer als etwas spröde. Nun erzählt man sich, dass er Waltraud Johne vor Freude um den Hals gefallen sein soll, als er den Kirchenführer für Kinder in den Händen hielt. Das will was heißen.Ein Kinderkirchenführer, das ist das Einfache, was schwer zu machen ist. Nur wer viel weiß, kann es für die "extra klugen Köpfe" der Kinder umsetzen. Die werden mit einem Löwen durch die Kirche gelockt. Der existiert nicht zufällig, sondern ist Bestandteil der mittelalterlichen Wandbilder, die die Bres-
lackerin Dorothee Schmidt-Breitung restauriert hat. "Man braucht ein Maskottchen, das die Kinder mitnimmt auf ihre Entdeckungsreise durch die Kirche", erklärt die Restauratorin. Der Löwe mit dem fast menschlichen Gesicht (im Mittelalter wussten die Leute ja nicht wie ein richtiger afrikanischer Löwe aussah) und all die anderen technischen und phantasievollen Zeichnungen stammen von Waltraud Johne. Ihre Tochter Dorothea hat den gefälligen grafischen Rahmen gespannt. Als handliches A-5-Ringbuch in den tragenden Farben rot, dunkelblau und weiß in festem Karton übersteht der Kirchenführer auch robuste Zeiten.

Seite für Seite entdecken die Kinder etwas Neues, sie können sich an ganz bestimmte Punkte immer gekennzeichnet mit dem Löwen führen lassen, um von dort Teile der Kirche zu entdecken. So erfahren die Kinder, warum in St. Marien die Mauern so dick und die Fenster unterschiedlich hoch sind, wie viel Gassen zur Kirche führen, warum Männer, die in den Krieg zogen, Steine ausschabten oder wie mühselig es war, Backsteinziegel herzustellen. Die Kinder dürfen raten, wie viel ausgestreckte Arme es braucht, um einen Pfeiler zu umfassen, sie können auf die Suche nach dem letzten erhaltenen Gewölbe gehen und lernen, wie man ein solches baut. Sie erfahren auf einer flammendroten Doppelseite, dass St. Marien 1945 ausgebrannt ist und was die Menschen geleistet haben, um das Beeskower Wahrzeichen wieder aufzubauen ein neues Dach kam drauf und ein Turm. Waltraud Johne hat jenen Moment, den hunderte Menschen am 13. April 2002 erlebten, skizzenhaft festgehalten.

Die Kinder dürfen auch den "Teufel in uns" suchen, in dem sie die anmutigen und frechen Köpfe auf einer Konsole finden, die die Tugenden und Laster der Menschen darstellen. "Aber wir kennen es ja selber, nur lieb zu sein, geht nicht so einfach. In jedem von uns lebt ein kleiner Teufel", schreibt Dorothee Schmidt-Breitung, die wie die anderen beiden Frauen sich sehr gut in der Gefühlswelt von Kindern auskennt.

Deshalb haben sie im Kirchenführer auch einen Schatz versteckt: In einem kleinen Umschlag steckt ein echtes Stück Blattgold. Es steht symbolisch für die teuren Materialien Azurit und Zinnober, die für die Restauration der Wandbilder verwendet wurden. "Mit einen Krümelchen Azurit können Kinder nichts anfangen, aber Gold kennen alle", findet Dorothee Schmidt-Breitung, während sie mit Waltraud Johne die hauchdünnen Blättchen "eintütet". Damit ist das Werk vollbracht. Am 31. Mai wird der Kinderkirchenführer offiziell vorgestellt und verkauft für fünf Euro. Es ist ein Buch für alle auch für Nichtchristen. Und auch für neugierig gebliebene Erwachsene.

Märkische Oderzeitung vom 10. Mai 2011

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