Wie ein dichtes Dach aus Blättern und Blumen

DENKMALSCHUTZ: Der Heimat- und Kulturverein Steffenshagen will die Kirche im Dorf erhalten

STEFFENSHAGEN - Wie ein Dach aus Blättern, Blüten und Früchten wölbt sich die hölzerne Tonnendecke der kleinen Kirche in Steffenshagen (Stadt Pritzwalk) über dem Besucher. Scheinbar endlos ranken sich die hellen Zweige über die rostrote Decke. Das florale Muster der Akanthus findet sich an der Orgel wieder, an der Empore und ebenso rund um den Altar.

Der Kirchenmaler Robert Sandfort hat die Kirche 1921 ausgemalt. "Und alles ohne Schablone, keine Ranke gleicht der anderen", schwärmt Margit Vogel, die Ortsvorsteherin und Vorsitzende des Steffenshagener Heimat- und Kulturvereins. Sandfort hat mit dem damaligen Leiter des kirchlichen Bauamtes Curt Steinberg zusammen gearbeitet, erzählt Margit Vogel: "Wir haben noch die kompletten Bauunterlagen." Auch die Rechnung von Kirchenmaler Sandfort liegt im Original vor.

Die Innenausstattung ist seit dem Wiederaufbau nach einem Brand 1917 unverändert. Und noch relativ gut erhalten eine Seltenheit, wenn man an die vielen komplett umgestalteten oder halb zerfallenen Kirchen im Landkreis denkt. Dem Kunsthistoriker Udo Piekarek war die Steffenshagener Kirche einen Beitrag im Heft 2011 "Offene Kirchen" wert, das der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg herausgibt.

Damit die Kirche auch weiterhin im Originalzustand bleiben kann, will der Heimat- und Kulturverein jetzt handeln, gemeinsam mit der Kirchengemeinde. Denn in den Kirchenbänken tummelt sich der Holzwurm. Fein aufgehäuft liegt das Holzmehl über den Bohrlöchern auf der Sitzfläche.

Bevor der Schädling sich in der Holzdecke einnistet, soll ihm jetzt der Garaus gemacht werden: Am kommenden Montag, 9. Mai, wird das kleine Gotteshaus dicht gemacht. "Alles wird abgeklebt, sodass die Kirche luftdicht verschlossen ist", erklärt Margit Vogel. Um 16 Uhr soll das Schädlingsgas hineingepumpt werden. "Noch bis zum Montag können interessierte Bürger ihre alten, vom Holzwurm befallenen Möbel in die Kirche stellen", so Margit Vogel. Am Donnerstag soll dann wieder frische Luft in die Kirche gelassen werden. Die Holzwurmbekämpfung kostet um die 5000 Euro. "Und das ist ein günstiges Angebot", so die Ortsvorsteherin. Es wird von der Kirchengemeinde bezahlt, die zu Pritzwalk gehört.

Doch der Holzwurm ist nicht das einzige Problem im Gebäude: Zwar sieht der Innenraum auf den ersten Blick recht gut aus, doch bei näherem Hinsehen treten hier und da teils erhebliche Schäden zutage. Die Orgel etwa, die einst die Potsdamer Orgelbaufirma Alexander Schuke baute, bräuchte dringend eine Renovierung. "Wir haben mal einen Kostenvoranschlag für den Wiederaufbau machen lassen", erzählt Margit Vogel. Der liege für den elektrischen Wiederaufbau bei 40 000 Euro, die mechanische Variante würde 60 000 Euro kosten.

Schon auf dem Weg zur Empore zeigen sich weitere Schäden: Im Treppengang fällt der Putz von der Decke, die Stiegen sind auch hier arg von Holzwürmern befallen. Eine Sanierung kann aber die Kirchengemeinde nicht bezahlen. Damit der Heimatverein des Dorfes auch Fördermittelanträge für die Kirche stellen kann, wurde im vergangenen Jahr dessen Satzung geändert. "Einen neuen Verein zu gründen, wäre zu kompliziert gewesen", meinte die Vereinsvorsitzende. Bereits im vergangenen Jahr haben die Steffenshagener einen Antrag abgegeben. "Der ist aber abgelehnt worden."

In diesem Jahr soll erneut Geld beantragt werden. "Zunächst als Anschubfinanzierung für eine Bestandsaufnahme, um erst einmal zu wissen, welche Arbeiten nötig sind", erklärt die Heimatvereinsvorsitzende. Bereits 2009 hatten die Steffenshagener bei der Tour de Prignitz Spenden gesammelt. Weil in der Kirche keine Gottesdienste mehr stattfinden, soll sie nun als eine Begegnungsstätte genutzt werden, für kulturelle Veranstaltungen, meint Margit Vogel. (Von Beate Vogel)

Märkische Allgemeine vom 07. Mai 2011

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