Der Turm steht wieder

KIRCHE: Das Gotteshaus in Werbig erhält Turmschaft, Glockenstuhl und Haube zurück

WERBIG - Der Reif bedeckte am Donnerstagmorgen mit kleinen weißen Nadeln die Grashalme und Gebinde auf dem Werbiger Kirchhof. Trotz der frühen Zeit, es war 7.30 Uhr, herrschte schon reges Treiben neben dem Gotteshaus. Innerhalb des Bauzaunes hatte ein Autokran mit 90 Tonnen Tragkraft Aufstellung genommen. Er war der Hauptakteur beim Endspurt im Wiederaufbau des Kirchturms.

Die Firmen Höbi aus Beelitz und Oehnaland Holzbau aus Bochow waren mit ihren Fachmännern vor Ort. Ernst Werner, Bürgermeister von Niederer Fläming, wollte sich als Bauherr die Krönung ebenso wenig entgehen lassen wie die Vorsitzende des Fördervereins, Angela Schulze. Dass das Vorhaben auch Beistand von "oben" bekam, davon war Pfarrer Wolfgang Scholz überzeugt, der nicht nur als Hausherr, sondern auch als leidenschaftlicher Filmer und Fotograf das Geschehen verfolgte.

Nach kurzer Einweisung legten die Bauleute los. Fast im Standgas hievte der Kranfahrer das erste Teil in die Morgensonne. Es war der Fachwerkschaft aus Kiefernbalken, der an den Anschlagseilen gen Himmel schwebte. Er brachte ein Gewicht von 4,3 Tonnen an den Haken. Ruhig und mit Überblick schwebte das zusammengefügte Bauteil erst nach oben und dann über die Rüstung auf seinen vorgesehenen Platz. Dieses Mittelteil des Kirchturmes war innerhalb von zehn Minuten da, wo es hingehört.

Während der Fachwerkschaft nun befestigt wurde das dauerte gute zwei Stunden , gab es für das immer größer gewordene Publikum nicht sehr viel zu beobachten. Doch dann wurde es wieder spannend. Glockenstuhl, Glocke und zum Schluss der Achteckschaft mit Zwiebelhaube und Bekrönung wurden nach und nach aufgesetzt. Auch Mitglieder des Werbiger Posaunenchores hatten Aufstellung bezogen.

Der Glockenstuhl wurde an den Haken genommen. Ein Kunstwerk der Zimmerer, ohne eine einziges Eisenteil. Die Konstruktion aus Eichenholz ist nur verbunden mit Holznägeln aus Akazie. Während das kurzfaserige Eichenholz die Härte gibt, geben die langfaserigen Akaziennägel der 600 Kilogramm wiegenden Konstruktion die Geschmeidigkeit. Einschweben, einpassen, absetzen, verankern fertig.

Die Glocke kam als nächstes an die Reihe. Allerdings wurde sie noch nicht in den Glockenstuhl eingehängt. Denn es gab einen kleinen logistischen Fehler: Weder Joch noch Klöppel waren vorhanden. Also steht die Glocke vorerst auf Böcken im Gebälk, auf das sich dann der 7,5 Tonnen schwere Achteckschaft mit Zwiebel und Turmspitze bedächtig niederließ. Der Posaunenchor untermalte die Prozedur. Wie im Kino. Ein ergreifender Moment.

Am Nachmittag wurde das Richtfest gefeiert. Die Werbiger Kirche hat ihren Kirchturm wieder. (Von Michael Helm)

Märkische Allgemeine vom 06. Mai 2011

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