Verein erweist Stiftern letzte Ehre

von Katarina Sass

 
Bald im neuem Glanz: die Sarkophage werden wieder zusammengefügt und bearbeitet. kasa

STAVENOW - Die Restaurierung der Sarkophage in der Kirchengruft Stavenow ist ein ganzes Stück näher gerückt. Der Förderverein "Historisches Stavenow" und die untere Denkmalschutzbehörde gaben 2010 ein Gutachten in Auftrag, das vor sechs Wochen fertiggestellt worden ist. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Aufbereitung der Särge, in denen die Kirchenstifter Andreas Joachim von Kleist und seine Frau Maria Anfang des 18. Jahrhunderts ihre letzte Ruhe fanden. Die untere Denkmalschutzbehörde stufte das Konzept als machbar ein. Der Verein beantragte einen Zuschuss.

Untere Denkmalschutzbehörde prüft Finanzierung und Konzept

Die Gesamtkosten belaufen sich laut Gutachten auf 10 000 Euro. "Wir hoffen, dass wir eine hundertprozentige Förderung bekommen", sagt der Vereinsvorsitzende Reinhard Leber. Dann könne es bereits in diesem Jahr losgehen.

Das von einer Berliner Firma angefertigte Gutachten enthält konkrete Vorschläge zum Wiederaufbau. So müssen alle Teile abgebaut und gereinigt werden. Edelstahlklammern ersetzen die rostigen Verankerungen. Holzsärge nehmen die Form der Sarkophage auf und werden in die steinernen Särge hineingelegt. Darin befinden sich dann die Gebeine der Patronen. Ein Blick ins Innere sei dann aber nicht möglich, so Leber. Um dem Besucher einen Blick auf die originale Inschrift auf der Stirnseite zu gewährleisten, werden die Sarkophage um 180 Grad gedreht. Außerdem sollen die Särge auf ein Fundament gestellt werden, um Feuchtigkeit von unten zu verhindern. Fest steht nun auch, dass es sich bei dem Gestein um feinsandigen Quarzsandstein aus der Nähe von Magdeburg handelt. Das ergab eine so genannte petrografische Untersuchung. Der Sandstein sei aber noch in einen relativ gutem Zustand, heißt es in dem Schreiben. Eine Tafel mit den wichtigsten Daten zu den Kirchenstiftern sei ebenfalls in Planung, so Leber. Offen ist die finanzielle Frage. Die untere Denkmalschutzbehörde im Landkreis wollte sich nicht dazu äußern. Es werde an einem Konzept gearbeitet und es bedürfe noch einiger Absprachen, sagte Landkreis-Sprecherin Christel Spenn.

Gibt die Behörde grünes Licht, geht für den Förderverein ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Bereits seit zehn Jahren steht die Restaurierung der Sarkophage bei den Fördervereinsmitgliedern auf der Prioritätenliste. "Aber wir wollten erst ein Gutachten erstellen lassen, um zu wissen, was gemacht werden muss", so Leber. Um Spenden aufzutreiben, wendet sich der Verein nun an den Familienverband Kleist-Retzow, eventuelle Nachfahren des Kirchenpatrons von Stavenow.

Für dieses Jahr hat sich der Verein außerdem die Sanierung des Kirchenschiffs vorgenommen. Dazu liegen die Balken bereits zum Trocknen bereit. Ein Dach ist ebenfalls im Gespräch. In diesem Zusammenhang soll die Kirche in Absprache mit der Kirchgemeinde zu einer touristisch gut frequentierten Einrichtung avancieren. Das Konzept der Fahrradkirche ist im Gespräch (wir berichteten). Die hergerichteten Sarkophage in der Gruft sollen in das Konzept miteingebunden werden, so Leber.

Hintergrund

Der Obrist Andreas Joachim von Kleist (1678 bis 1738) erhielt das Gut Stavenow vom Preußischen König als Geschenk. Er war mit Marie Elisabeth von Haake verheiratet, das Paar hatte 16 Kinder. Sie ließen die Kirche 1726 erbauen. Für ihr Nachleben ließen sie auch die Gruft errichten, die zuletzt vom Förderverein gesichert werden konnte. 1862 ist der Turm ungebaut worden. Nach Vorstellungen des Fördervereins soll die Kirche künftig vor allem von Fahrradtouristen genutzt werden. Der Verein sucht nach historischen Dokumenten und Archivmaterial und bittet um Mithilfe: 038797/54966 (Reinhard Leber)

Der Prignitzer vom 19. April 2011

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