Fenster in altem Glanz

DENKMAL: 433 Sprünge und Brüche in den Scheiben der Jakobikirche geklebt

LUCKENWALDE - Ein Teil der wertvollen Glasmalerei der Luckenwalder Jakobikirche erstrahlt wieder in altem Glanz. Nachdem die Restaurierung der ersten Fenstergruppe abgeschlossen ist, lud der Förderverein Jakobikirche zu einer Festveranstaltung ein. Pfarrer Detlev Riemer dankte am Donnerstagabend allen, die dazu beigetragen haben, das Ziel zu erreichen.

Claus Friedrich Holtmann, Vorsitzender des Vorstandes der Ostdeutschen Sparkassenstiftung sprach davon, dass er stolz darauf sei, dass die Stiftung ihr Scherflein zum Erhalt der Fenster beigetragen habe. Andreas Fellmann, Vorstandsmitglied der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, ergänzte, dass der Förderverein schon einen neuen Antrag eingereicht hat. "Ich denke schon, dass er berücksichtigt wird und wir uns hier wiedersehen", so Fellmann.

Margitta Haase vom Förderverein erinnerte an die Restaurierungsmonate. Sie berichtete, dass die erste Fenstergruppe aus 96 einzelnen Bleifeldern besteht, die zur Wiederherstellung alle ausgebaut und nach der Restauration wieder eingebaut wurden. Mit dieser Maßnahme wurde im Mai 2010 begonnen. Nach restauratorischer Reinigung der Innen- und Außenseiten mussten 433 Sprünge und Brüche in den Gläsern mit einem Spezial-Kunstharzverfahren geklebt werden. Zerstörte und verloren gegangene Glasmalereien wurden ebenso wieder hergestellt wie das zu 50 Prozent beschädigte Bleinetz. "Allein für die 96 Einzelfelder wurden 156 Meter Blei verarbeitet", so Margitta Haase.

Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide hob die Bedeutung der Jakobikirche als einst höchstes Gebäude der Stadt hervor. "Mit dem 72 Meter hohen Kirchturm kam die Jakobikirche für fast ein Jahrhundert von allen Gebäuden der Stadt dem Himmel am nächsten", sagte sie. Beispielgebend sei, dass schon früher bürgerschaftliches Engagement zum Werden der Kirche beigetragen habe. Die Tuchfabrikanten Heinrich stifteten vor gut 100 Jahren die Kanzel, die Hutfabrikanten Steinberg das Weihnachtsfenster und die Tuchfabrikanten der Familie Fähndrich den Marmor-Altar. "Erfreulich, dass es auch heute noch gute Beispiele gibt, die an diese Tradition anknüpfen. Ganz vorn zu nennen ist die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die sich immer wieder mit namhaften Beträgen auch um den Erhalt und die Rettung brandenburgischer Baukultur verdient macht", so die Bürgermeisterin. Sie versicherte den beiden Herren von der Sparkasse: "Sie haben das Richtige getan. Sollten Sie jemals Sorge gehabt haben, Ihr Geld zum Fenster hinauszuwerfen, so ist die Sorge spätestens jetzt dadurch gebannt, dass die Fenster dicht sind." (Von Margrit Hahn)

Märkische Allgemeine vom 16. April 2011

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