Kostbare Altertümer

KULTUR: Wappentafeln der Patronatskirche werden restauriert / Paten gesucht, die das Projekt unterstützen

 
Heidi Burmeister zeigt eine Urkunde für eine Wappen-Patenschaft. Sechs wurden bereits verkauft. Heute Abend beim Konzert und beim Ostermarkt am Samstag werden weitere angeboten.
Foto: Gerlinde Irmscher

SCHULZENDORF - In den Bauunterlagen des Königlichen Bauinspektors Schindler aus Berlin vom 10. Juni 1863 wurde folgende Notiz gefunden: "Schließlich bleibt noch anzuführen, daß sich in der Kirche einige Alterthümer befinden, welche der Erhaltung werth sind, wie zwei lange Tafeln mit 18 Wappenschildern auf schwarzem Blech, gerade mit hölzerner Fassung..." Die Rede ist von den großen Wappentafeln von 1694 aus der Patronatskirche in Schulzendorf. Bis heute haben sie ihren Platz nicht verlassen. Doch jetzt gingen sie auf Reise, wie Heidi Burmeister vom Verein zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers in Schulzendorf berichtet. In der Werkstatt von Matthias Schmerbach aus Falkensee sollen sie bis zum Juni vollständig restauriert werden.

"Wir haben mit den Fachleuten von dort bereits sehr gute Erfahrungen gemacht", so Heidi Burmeister. Die Kanzel in dem ehemaligen Gotteshaus legt zum Beispiel Zeugnis darüber ab. Drei Spezialisten haben sich hier zu einem Trio zusammen gefunden, das seit Jahren erfolgreich zusammen arbeitet. Auch im Fall der Wappen ist genau abgestimmt, wer welche Arbeiten bei der Restaurierung übernimmt. Für die Holzarbeiten ist Werkstatt-Chef Matthias Schmerbach verantwortlich. Vom Schwamm beschädigtes Holz soll sacht aus dem Material entnommen und durch neues ersetzt werden, ohne dass der Gesamteindruck verloren geht. Annett Schulz wird die Farben der Wappen, die zum Teil noch sehr gut erhalten sind, an einigen Stellen aber auch mächtig nachgelassen haben, aufarbeiten und die Retusche vornehmen. Für die Metallarbeiten ist der Restaurator Herschel zuständig. Die Metalltafeln sollen soweit möglich nicht von ihrem Untergrund entfernt werden. Rostige Stellen werden behandelt und das Ganze auch vorsorglich gegen Rost imprägniert auch an den schwer zugänglichen Stellen. Die historische Aufhängung soll ebenfalls erhalten bleiben.

Sämtliche Arbeiten seien mit dem Landesamt für Denkmalschutz genauestens abgesprochen, so Heidi Burmeister. Rund 11 000 Euro müssen für die umfangreichen Arbeiten bezahlt werden. 5000 Euro hat bereits die Sparkassenstiftung zur Verfügung gestellt. "Den Rest müssen wir als Verein übernehmen", so Burmeister. Im Verein ist man deswegen auf die Idee gekommen, Paten für die Wappen zu suchen. Jedes Wappen wurde auf einer Urkunde ein Unikat übrigens abgedruckt. Für mindestens 25 Euro kann sie käuflich erworben werden. 40 Urkunden werden ausgestellt. Darunter befinden sich auch die Urkunden für die vier großen Allianzwappen. Für eine solche Patenschaft müssen die Geldgeber aber mindestens 50 Euro bezahlen.

"Bei der letzten Veranstaltung unserer Kulturreihe haben wir mit dem Verkauf angefangen", berichtet Heidi Burmeister. Das Interesse sei riesengroß gewesen. Sechs Urkunden konnten sofort verkauft und somit sechs Patenschaften abgeschlossen werden. Bei der nächsten Veranstaltung heute Abend mit dem Duo Fado Instrumenta werden weitere Urkunden verkauft. Im Verein ist die Freude sehr groß darüber, dass das öffentliche Interesse an der Wiederherstellung der Patronatskirche mit all ihren Kulturgütern so groß ist und sich auch in der Spendenbereitschaft niederschlägt.

Bis heute ist noch nicht erforscht, warum diese Wappentafeln einst angefertigt wurden. Auf jeden Fall gehe man von einem mehrfachen Gebrauch aus, denn sonst wäre die Anfertigung für damalige Verhältnisse viel zu teuer gewesen. Vermutet wird, dass es sich bei den Wappen um eine Art von Stammbäumen handelt. Sie zeigen mehr als 20 alte Adelsgeschlechter der Mark. Dazu gehört auch die Familie Marwitz, deren Geschichte Klaus Schädel aufgearbeitet hat. Ein Auszug daraus befindet sich auf der Urkunde mit dem entsprechenden Wappen. (Von Andrea Müller)

Prima Idee mit den Patenschaften, findet Andrea Müller

Ge-Wappnet

Der Verein zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers in Schulzendorf kann sich bereits viele Erfolge auf die Fahnen schreiben. In den zurück liegenden Jahren hat das Haus eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. Von einem maroden Gebäude entwickelte es sich zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsraum mit einem ganz besonderen Flair, der die Geschichte des früheren Gotteshauses atmet.

Jetzt sind die Vereinsmitglieder dabei, den nächsten Schritt zu tun. Die historischen Wappentafeln werden restauriert. Das kostet eine Menge Geld, die der Verein nicht allein aufbringen kann. Er muss auf das Interesse vieler kleiner Helfer hoffen, auch wenn die Stiftung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse fast die Hälfte der Gesamtkosten von 11000 Euro übernommen hat. Derer gibt es und der Verein ist für ihr Engagement im wahrsten Sinne des Wortes gewappnet. Wappen-Patenschaften heißt das Zauberwort. 40 stehen zur Verfügung. Der Verkauf der ersten sechs Urkunden mit den Wappen der Adelsgeschlechter ist bereits Geschichte. Heute Abend und Samstag beim Ostermarkt ab 14 Uhr besteht wieder die Möglichkeit zum Kauf. Eine prima Idee, die dem ganzen Ort zugute kommt, in dem die Patronatskirche immer attraktiver wird.

Märkische Allgemeine vom 14. April 2011

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