Eine Herberge für Pilger

KIRCHE: Neben Sanierung des Rehfelder Gotteshauses auch Neubau geplant

REHFELD - "Es muss alles gemacht werden, vom Dach bis zum Fundament", so beschreibt Horst Rath, Vorsitzender des Fördervereins Rehfelder Kirchberg, den Sanierungsbedarf am örtlichen Gotteshaus. Der war 2009 gegründet worden und hat jetzt über 20 Mitglieder. Die Kirche ist ein Fachwerkbau, der aus dem 17. Jahrhundert stammt. Lediglich Turmdach und -spitze zeigen keinen Handwerkerbedarf. Fachleute waren hier 2007 und 2008 nach dem Sturm "Kyrill" im Einsatz. Und auch der Ostgiebel ist schon erneuert worden, um 1930. Dort ersetzte man damals das Fachwerk durch eine Ziegelwand.

"Laut Staatskirchenvertrag wäre die Rehfelder Kirche im Jahre 2019 mit der Sanierung dran", sagte gestern der zuständige Pfarrer Henning Utpatel. So lange wollen und können aber Gemeindekirchenrat, Vorsitzende ist Ulla Lukas, der Förderverein, der Pfarrer und engagierte Einwohner um Ortsvorsteher Dieter Lange nicht warten. Aus dem Fachwerk drohen bereits Gefache herauszufallen, an einigen Stellen fehlen schon Steine. Deshalb wurde vor anderthalb Jahren die Idee geboren, aus der Rehfelder eine Pilgerkirche zu machen. Man hat sich deshalb an den Leader-Verein mit der Bitte um Förderung gewandt.

Das Dorf liegt am Pilgerweg, der von Berlin nach Bad Wilsnack führt. Dort waren im Vorjahr rund 1000 Pilger registriert worden. "Im Sommer trifft man bei uns fast täglich einige von ihnen", so Ulla Lukas. Ihnen soll künftig in Rehfeld auch Quartier geboten werden. Über das Wie wird bereits seit dem Sommer 2010 im Dorf diskutiert. "Ursprünglich sollte die Kirche dafür genutzt werden", so der Pfarrer. "Im Herbst des Jahres kristallisierte sich der Entwurf eines Neubaus für eine Pilgerherberge mit Integration der Kirche als Kommunikations- und Meditationszentrum als am meisten geeignet heraus."

Errichtet werden soll der knapp 40 Quadratmeter große Neubau auf der Wiese in der Nähe des Eingangs zur Kirche. Im Innern wird es einen Schlafraum mit drei Doppelstockbetten, zwei Duschen und Toiletten und eine Teeküche geben. Zurzeit befindet sich auch ein Rehfelder Pilgerstempel in Arbeit. Im Mai soll er vorliegen.

Der Förderverein rief zu einer Spendenaktion für das Projekt auf und sammelte bis zum vergangenen Monat bereits 3000 Euro. Insgesamt sind für das Vorhaben, also die Sanierung der Kirche und den Neubau der Herberge, 432 000 Euro veranschlagt. Der Eigenanteil beträgt 60 000 Euro. Daran fehlen zurzeit noch 10 000 Euro. Deshalb hat der Förderverein in den vergangenen Tagen schriftliche Spendenbitten an die in Kyritz ansässigen Gewerbetreibenden und größeren Betriebe gerichtet. "Jeder Betrag hilft uns, egal, wie groß er ist", so Henning Utpatel. Und er freut sich auch darüber, dass die Kirchengemeinden Barenthin, Berlitt und Kötzlin den Rehfeldern bereits finanzielle Unterstützung zugesagt haben.

Bis Juli wird der Förderantrag an den Leader-Verein fertig sein. Nach der Zusage soll dann im kommenden Jahr das Vorhaben in Angriff genommen werden. (Von Detlef Czeninga)

Märkische Allgemeine vom 14. April 2011

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