Vor dem Abriss bewahrt

MAZ-VEREINSPORTRÄT: Der Förderverein erhält mit viel Engagement die Vicheler Dorfkirche am Leben

VICHEL - Der Hilferuf von Pfarrer Stephan Scheidacker verhallte nicht ungehört. Engagierte Einwohner taten sich zusammen. Der 2007 gegründete Förderverein Vicheler Dorfkirche hat es sich zum Ziel gesetzt, dass 2004 baupolizeilich gesperrte Gotteshaus zu retten und mit Leben zu erfüllen. Beides ist dem 29 Mitglieder starken Verein gelungen. Am 4. Oktober 2008 wurde die Kirche feierlich wiedereröffnet. Mit Mitteln der Kirchengemeinde und des Vereins konnte die gesamte Dachkonstruktion saniert werden. "Wir haben in anderthalb Jahren 20 000 Euro gesammelt", sagt Ortsvorsteher Peter Masloch, der auch Mitglied des Fördervereins ist.

2010 kam die Restaurierung mit der Restsanierung der Schwammschäden an der Nordempore ein gutes Stück voran. Bereits seit 2009 erklingen die Kirchenglocken wieder. Doch das ist kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Auf dem Sanierungsplan steht laut Vereinschefin Claudia Pirch-Masloch unter anderem noch die Südempore. "Da ist der Schwamm drin." Eine Überholung der noch in Einzelteile zerlegten Orgel wäre angezeigt, damit sie wieder bespielbar ist. "Das ist Zukunftsmusik." Die Innenwände müssten verputzt werden. Peter Masloch könnte sich das in Eigenarbeit vorstellen. Was dem Verein allerdings fehlt, ist ein flexibles Baugerüst.

Dank ehrenamtlicher Arbeit wissen die Vicheler jetzt wieder, was die Stunde geschlagen hat. Detlev Schnabel, der Mann von Schatzmeisterin Veronika Schnabel, hat mit Uhrmacher Ulrich Frank viele Stunden seiner Freizeit geopfert, um die Kirchturmuhr wieder zum Laufen zu bekommen. Die Zifferblätter hat der Neustädter Schmied Uwe Meißner mit Hilfe des Vicheler Künstlers Frank Dornseif angefertigt. Nun steigt Detlev Schnabel jeden Tag auf den Kirchturm und zieht die große Feder der Turmuhr auf.

Um Geld in die Kasse zu bekommen, sind die Vereinsmitglieder erfinderisch. Konzerte wie das der Kreismusikschule im Juni vergangenen Jahres bringen ebenso Einnahmen wie die 15 Kilometer lange Wanderung von Vichel über Barsikow nach Läsikow. Da bekam der Verein 140 Euro.

"Den größten Batzen", so Vereinschefin Pirch-Masloch, spielten die zwei Benefizkonzerte des holländischen Männerchors "Goors Mannenkoor" ein. Der Männergesangsverein unternahm zu seinem 65-jährigen Bestehen eine Konzertreise nach Berlin. Er hörte von dem Kampf der Vicheler für ihre Dorfkirche und sagte spontan seine Hilfe zu. "Durch die Holländer haben wir ein kleines Vermögen bekommen", sagt die Vereinschefin: 3300 Euro für die Vereinskasse. Der Kontakt zu den Niederländern hält über den Kurzbesuch hinaus. Im Mai kommen zwei Ehepaare aus Goors nach Vichel zu einer Vorbesprechung. Im Sommer soll dann ein Bautrupp kommen, um die Vicheler tatkräftig zu unterstützen.

"Es macht Spaß zu sehen, wie sich die Kirche weiter entwickelt", sagt Claudia Pirch-Masloch. Zu sehen, dass der 1867 errichtete Backsteinbau ein kultureller Ort für Vichel und Anziehungspunkt für Touristen geworden ist dank des Vereins. Der hat bereits das nächste kulturelle Ereignis eingerührt. Er holt die Don Kosaken für ein Konzert am 4. Juni nach Vichel. Dann ist auch das Café im Schloss geöffnet die besten Voraussetzungen für einen schönen Sommertag am Rande des Luchs. (Von Dagmar Simons)

Märkische Allgemeine vom 13. April 2011

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