Hoffen und bangen

BAUEN: Die Sanierung der Neuruppiner Klosterkirche beginnt erst später

NEURUPPIN - Eigentlich sollte das Stützkorsett längst stehen. Zumindest sollte die komplizierte Stahlkonstruktion in Arbeit sein. Im März wollten die Gerüstbauer an der Neuruppiner Klosterkirche anrücken. So hatte es sich die Kirchengemeinde noch bis vor Kurzem gedacht. Doch die dringend nötige Sanierung des 750 Jahre alten Wahrzeichens von Neuruppin verzögert sich. Von Gerüsten ist bisher noch nichts zu sehen und wann etwas davon zu sehen sein wird, steht im Moment in den Sternen. Grund sind die Finanzen.Auf den ersten Blick scheint die Klosterkirche ganz gut in Schuss zu sein. Die schweren Schäden sitzen unter der Haut. Durch die Dächer der beiden Türme regnet es zum Beispiel hinein. Die Nägel, die en Schiefer auf dem Dach halten, sind durchgerostet. Überall tun sich Löcher auf. Die meisten konnten notdürftig geflickt werden. Trotzdem hat die Holzkonstruktion hinter den Schindeln unter der ständigen Feuchtigkeit heftig gelitten. Um die Dächer sanieren zu können müssen beide Türme bis zur Spitze eingerüstet werden bis in 66,92 Meter Höhe.

"So ein Gerüst baut man nicht in 14 Tagen", sagt Pfarrerin Ilona Kretzschmar. "Das dauert seine Zeit, es ist schließlich ein eigenes Bauwerk." Und so langsam müsste mit diesem Bauwerk auch begonnen werden, wenn die Sanierung der Türme bis Ende 2011 abgeschlossen sein soll. 2012 sind dann das Dach des Kirchenschiffs und die Risse im Chor rund um den Hochalter an der Reihe.

"Wir können die Arbeiten aber noch nicht vergeben", sagt Ilona Kretzschmar. Dafür fehlt noch eine schriftliche Vereinbarung zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt Neuruppin über die erhofften Fördermittel.

Rund eine Million Euro sollen die dringendsten Sanierungsarbeiten kosten, hat ein Architekt errechnet. 400 000 Euro davon erhofft sich die Kichengemeinde als Fördermittel von Bund, Land und Stadt. Sicher sind bisher aber nur 200 000 Euro. Die Stadtverwaltung hat die Landesregierung in längeren Gesprächen überzeugt, dieses zusätzliche Geld für die Sanierung der Kirche zur Verfügung zu stellen. 2012 erhoffen sich Kirchengemeinde und Stadtverwaltung noch einmal denselben Betrag. Der Teufel steckt im Detail: Die Arbeiten in zwei gleich große und gleich teure Abschnitte für 2011 und 2012 aufzuteilen ist gar nicht so einfach. Die Sanierung der Türme kostet eigentlich mehr als die Arbeiten am Kirchenschiff, sagt Ilona Kretzschmar.

"Es ist deshalb im Moment schwierig, eine Vereinbarung abzuschließen", erklärt Neuruppins Rathaussprecherin Michaela Ott. "Wir sind dran und würden gern alles ermöglichen", versichert Ott. Weitere Gespräche mit dem Land sind geplant, was dabei herauskommt, weiß aber noch niemand.

Die Türme wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Das Kirchenschiff ist älter, es war einst Teil eines Dominikanerklosters, das um 1250 an dieser Stelle entstand. Die Kirche ist alles, was heute noch davon übrig ist.

Solange es keine definitive Zusage gibt, kann die Gemeinde mit der Sanierung nicht anfangen. Ilona Kretzschmar hofft, dass schnell eine Lösung gefunden wird, sonst wird die Zeit knapp. Das Gerüst ist teuer und sollte deshalb möglichst nicht über den Winter stehen, wenn am Dach ohnehin nicht gearbeitet werden kann. Die Zeit drängt deshalb langsam, sagt die Pfarrerin: "Wir hoffen aber immer weiter." (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 12. April 2011

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