Der Kampf um die Kirchturmspitze

FORST Inzwischen ist sie zu einem Blickfang im Forster Stadtzentrum geworden die Stadtkirche St. Nikolai. Doch die Schönheit kam erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurück mit dem Engagement der Forster Bürger.

   
  Ein neues Dach für die Kirche gab es 2007.
Archivfoto:js

Ein neues Kapitel im Buch der Forster Kirchengeschichte wurde im Frühjahr 1991 aufgeschlagen. Das Projekt "Stadtkirche" war in aller Munde und sollte so schnell wie möglich verwirklicht werden. Bereits 1990 lautete die Frage: Wann erhält der Forster Kirchturm wieder eine Spitze? Am Turm nagte der Zahn der Zeit und verfiel in den vorangegangenen Jahren immer mehr. Der Putz blätterte von den Wänden, das Bauwerk wurde von Jahr zu Jahr immer unansehnlicher. Seit Ende der 1970iger Jahre bemühte sich die Evangelische Kirchengemeinde darum, den Stumpf des Turmes mit einem soliden Dach zu sichern. Die Bilanzierungsanträge wurden vom Rat des Kreises Forst wegen fehlender Baukapazitäten zurückgewiesen.

1988 gab die Kirchengemeinde eine Studie in Auftrag, in der die Möglichkeiten und die voraussichtlichen Kosten für die Wiederherstellung der barocken Turmhaube untersucht werden sollte. Das Ergebnis lag 1990 vor. Es umfasste Zeichnungen nebst einer Kosteneinschätzung, die mit 300 000 DDR-Mark beziffert wurde.

Im Gutenberghaus erhielten interessierte Bürger die Möglichkeit, den Entwurf zu begutachten. Gleichzeitig erging an die Forster Bevölkerung der Aufruf, sich an den Kosten für den Wiederaufbau zu beteiligen. Diesen Gedanken griff auch Gerhard Krumm aus Lübeck auf. Bei einem Treffen in Forst berichtete er über seine jahrzehntelange Arbeit als Heimatkreisbetreuer und teilte seine Absicht mit, in der von ihm herausgegebenen Heimatzeitung die ehemaligen Forster in der Bundesrepublik zu Spenden aufzurufen. Ein erstes Fazit konnte bereits im Juni 1990 gezogen werden: Zum Zweck des Wiederaufbaus kamen allein in Forst Geldbeträge in Höhe von 2071 (DDR-) Mark und 303 DM, beim Heimatkreis in Lübeck 2500 DM zusammen.

Im April 1991 prognostizierten die Experten, dass die Rekonstruktion des Kirchturmes in zwei Jahren abgeschlossen sein kann. Die mit der Projektierung und Bauausführung beauftragten Fachleute konnten Erfahrungen nutzen, die sie bei den Turmrekonstruktionen der Cottbuser Oberkirche und der Kirche in Lübben sammelten. Inzwischen war die Spendenhöhe auf 10 500 DM bei der Kirchengemeinde und 10 000 DM beim Forster Kreis in Lübeck angewachsen. Dies war zwar ein dankbares Ergebnis, reichte aber bei Weitem nicht aus.

Zur schnelleren Umsetzung des Projekts "Stadtkirche" wurde die Gründung eines Kirchturmvereins angeregt. Im Advent 1992 bekam schließlich die Forster Stadtkirche St. Nikolai wieder eine Kirchturmspitze.

Von Gerd Kundisch

Lausitzer Rundschau vom 02. April 2011

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