Schäpe rettet seine Kirche

BAUEN: Turmdach muss dringend saniert werden / Förderverein will Sakralbau erhalten

SCHÄPE - Von den Wänden der Dorfkirche in Schäpe bröckelt der Putz. Das Dach des Kirchturmes ist undicht. Herabfallende Schindeln drohen Menschen zu verletzen, die auf dem angrenzenden Kirchhof die Gräber ihrer Angehörigen pflegen. Zur Sicherheit haben die Bauämter der Stadt Beelitz und der zuständigen Kirchenverwaltung um den Turm ein Absperrband gezogen. Doch die Leute in Schäpe wollen nicht zusehen, wie ihr Gotteshaus allmählich verfällt. 18 der 145 Einwohner haben den "Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe" gegründet. Gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat des Dorfes will er Geld für die Sanierung auftreiben, bei verantwortlichen Behörden und entsprechenden Betrieben um Hilfe bitten, die Initiativen der Dorfbewohner zur Rettung des sakralen Gebäudes koordinieren und weitere Schäper für das Projekt gewinnen. Nach einem Vierteljahr ist die Mitgliederzahl schon auf 35 gestiegen.

Rund 81 000 Euro wird die dringend notwendige Dachreparatur auf dem Kirchturm kosten, hat das Ingenieurbüro Götz & Ilsemann in Beelitz überschlagen. "Wir haben den Großteil des Geldes schon zusammenbekommen können. Etwa 12 000 Euro hat uns die Stadt Beelitz aus einem Programm zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes zur Verfügung gestellt. Jetzt fehlen uns noch etwa 6000 Euro", sagt Axel Grüsner, 1. Stellvertreter des Fördervereins. Ein Teil davon soll ein Gospelkonzert eines amerikanischen Chores erbringen, der am 19. Juni einen großen Auftritt in Berlin hat. Sozusagen zum "Einsingen" haben sich die Sänger bereiterklärt, am Tag zuvor, einem Samstag, in der früheren Schmiede in Schäpe aufzutreten. Das Konzert organisieren Förderverein, Gemeindekirchenrat und der Spargelhof von Josef Jakobs gemeinsam.

"Wir haben uns fest vorgenommen, Ende April/Anfang Mai mit der Dachreparatur zu beginnen", sagt Grüsner. Der Abriss muss mit einem Spezialkran erfolgen. Für einen Dachdecker wäre die Arbeit auf der baufälligen Turmspitze zu gefährlich. Ende des Jahres soll die Sanierung abgeschlossen sein.

In dem Turm hängen zwei Kirchenglocken, die noch heute mit der Hand geläutet werden, wenn ein Paar sich trauen lässt, ein Kind getauft wird, ein Dorfbewohner verstorben ist oder der Pfarrer allmonatlich zum Gottesdienst ruft. Der ist neuerdings wieder besser besucht, seit der Förderverein zur Kirchenrettung aufgerufen hat. "Früher sprach der Pfarrer oft nur zu drei Zuhörern. Heute kommen regelmäßig etwa dreißig Besucher in die Kirche. Nicht jeder ist religiös. Aber alle fühlen sich mit der Kirche verbunden, die einfach zum Dorf dazugehört", sagt Axel Grüsner.

Wann das Kirchenschiff saniert werden kann, das mit dem frei stehenden Turm nur durch einen Durchgang verbunden ist, steht noch nicht fest. Die Kosten für eine Gesamtsanierung des Gotteshauses beziffert das Büro Götz & Ilsemann auf bis zu 330 000 Euro.

Die Kirche in Schäpe wurde 1827 zunächst aus Geldmangel ohne Turm von den Dorfbewohnern selbst erbaut. Das Material ließ die Preußische Oberbaudeputation anliefern. Erst 1864 kam der Kirchturm dazu. (Von Heinz Helwig)

Nach Riebener Art

Heinz Helwig über die Initiative in Schäpe, die Dorfkirche vor dem Verfall zu retten.

Darin sind sich Christen wie Nicht-Christen in Schäpe offensichtlich einig: Ihre Dorfkirche darf nicht dem Verfall preisgegeben werden. Auch wer nicht religiös gebunden ist, sieht in dem Bau zumindest ein Wahrzeichen des Dorfes, das seine Heimat ist. Dieses Gefühl reicht bei einigen sogar bis zum Besuch von Gottesdiensten, wie der Pfarrer erfreut feststellt. Das zeugt von einem Gemeinschaftssinn in Schäpe, wie er auch in kleineren Dörfern nicht überall und nicht immer anzutreffen ist.

Den Zusammenhalt werden die Schäper auch brauchen, wollen sie ihr großes Ziel erreichen und das gesamte Gotteshaus retten. Die Spenden für die Sanierung des Kirchturmdaches ist dabei die erste Bewährungsprobe für die Dorfbewohner, die zeigen wird, wie ernst es ihnen mit dem Gemeinwohl ist.

Doch nicht nur der Erhalt der Kirche soll die Schäper zusammenbringen, hat sich der Förderverein vorgenommen. Auch nach der gelungenen Rekonstruktion sollen sich die Einwohner in dem Gebäude treffen, wenn nicht zur Andacht, dann zu Ausstellungen und anderen Veranstaltungen, die in die Kirche passen, ohne die Friedhofsruhe davor zu stören.

Das Riebener Beispiel macht in Schäpe Schule. Vielleicht folgen bald andere Dörfer nach.

Märkische Allgemeine vom 28. März 2011

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