Fahrradkirche als Nutzungsvariante

VEREINE: Jahresversammlung des Fördervereins Historisches Stavenow Rückblick und Ausblick

STAVENOW - Was soll aus der Kirche in Stavenow (Gemeinde Karstädt) und dem Friedhof drumherum werden? Die Kommune als Eigentümer möchte das Gelände gern an den Förderverein Historisches Stavenow verkaufen. Dessen über 150 Mitglieder haben sich auf die Fahne geschrieben, die Patronatskirche und den Patronatsfriedhof in dem zum Ortsteil Karstädt der Gemeinde gehörenden Dorf zu sichern und zu erhalten.

Der Vereinsvorstand ist aber der Meinung, dass bei einem Kauf die Folgekosten das Budget des Vereins völlig überfordern würden, informierte dessen Vorsitzender Reinhard Leber in seinem Bericht beim jüngsten Jahrestreffen. Doch auch dann, wenn die Gemeinde Eigentümer bleibt, sei ein Nutzungskonzept erforderlich.

Die einzige Variante, die dann in der Versammlung diskutiert wurde, war die vom Vorstand vorgeschlagene: Das in historisch-idyllischem Ambiente direkt am Elbe-Müritz-Radweg gelegene Gotteshaus könnte zu einer Fahrradkirche werden. "Radtouristen, aber natürlich nicht nur diese, könnten in der Patronatskirche innehalten und einen Ruhepunkt finden", erläuterte Reinhard Leber auf Nachfrage der MAZ. Man wolle sich nun mit den Trägern anderer Fahrradkirchen in Verbindung setzen und nach deren Erfahrungen fragen. Pfarrer Albrecht Preisler habe bereits signalisiert, dass der Karstädter Kirchenrat dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüberstehen könnte.

Auch bislang gibt es ein enges Zusammenwirken. Am 2. Juni wird es in diesem Jahr bereits zum vierten Mal zu Christi Himmelfahrt nach einer Radsternfahrt einen Gottesdienst in der Kirchenschiffruine mit sich anschließendem Picknick geben. Im Sommer soll zu einer Lesung mit Pfarrer Preisler, bekennender Karl-May-Freund, im Blockhaus neben der Kirche eingeladen werden.

Was die Aktivitäten für den Erhalt der Patronatskirche im vergangenen Jahr betrifft, konnte Reinhard Leber auf Ersteigerung und Einbau einer neuen Bronzeglocke verweisen. Besonders stolz sind die Vereinsmitglieder darauf, dass nun wieder das Wappen der Familien von Kleist und von Hake über der Kirchentür angebracht werden konnte. Nach der Rückgabe durch das Perleberger Museum war es mit Vereinsgeldern restauriert worden. Die Kirchhofmauer wurde ausgebessert, Gemeindearbeiter ersetzten fehlende Biberschwänze.

Auch dem Ziel, das noch dachlose Kirchenschiff wetterfest zu machen, kam der Förderverein im Jahre 2010 ein Stück näher. Dank einer Spende der Agrargenossenschaft Karstädt konnte man die notwendigen Balken schneiden lassen, die aber noch bis zum kommenden Jahr trocknen müssen. Bürgermeister Udo Staeck und Karstädts Ortsvorsteher André Lüdemann sagten den Stavenowern bereits Unterstützung bei den Dachbauarbeiten zu, die für das Jahr 2012 geplant sind.

Die Teilrestaurierung der zwei Sarkophage des Kirchenstifterehepaares in der Außengruft konnte voriges Jahr durch ein vom Landesdenkmalschutz beauftragtes gesteinskundliches Gutachten vorbereitet werden. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um "Magdeburger Sandstein".

Vor gut drei Wochen trafen sich Vorstandsmitglieder mit den Vertretern von Landes- und Kreisdenkmalschutz sowie einer Berliner Restaurierungsfirma zum Ortstermin. Wie festgelegt wurde, werden jetzt die Sarkophage gereinigt, die Eisenklammern durch Edelstahl ersetzt und die Einzelteile wieder zusammengesetzt. Die fehlenden Sandsteinstellen werden nicht ersetzt, die Deckel abgestützt. Im Inneren wird eine Holzwand zum Schutz der derzeit gesondert gelagerten Gebeine angepasst. Zudem werden die Särge gedreht, so dass die Beschriftung zu sehen ist und die Schadstellen verdeckt sind. Für all das gibt es Fördermittel. (Von Ulrich Fischer)

Märkische Allgemeine vom 26. März 2011

   Zur Artikelübersicht