Mit viel Herzblut und langem Atem

SENFTENBERG Die Kirche zu öffnen diesem Ziel hat sich der Verein Bürgerhaus Wendische Kirche seit zehn Jahren verschrieben. Zum Jubiläum sprach die RUNDSCHAU mit dem Mann, der als Vereinsvorsitzender die sprichwörtlichen Fäden in der Hand hält und den Verein wesentlich geprägt hat: Holger Liesk. Der 50-Jährige hat den Verein vor einem Jahrzehnt mitgegründet.

 
Sie haben das Bürgerhaus Wendische Kirche in Senftenberg geprägt: Vereinsvorsitzender Holger Liesk und die "gute Seele" Barbara Bittner.
Foto: Steffen Rasche/str1

Eine Kirche als Bürgerhaus zu betreiben, dazu gehört Mut. Weit und breit gibt es kein ähnliches Projekt. Wie ist die Bürgerhaus-Idee entstanden?

Das war ein längerer Prozess. Die Wendische Kirche war vom Fundament bis zum Dach saniert worden. Dann stand das Haus leer. So wuchs ab 2000 in der Kirchgemeinde der Wunsch, wieder Leben in die leere Hülle zu bringen. Dafür war die Innensanierung unumgänglich.

Die Idee, den Verein zu gründen, war dann ganz praktischen Ursprungs. Es war damals die einzige Möglichkeit, um an Fördermittel für den Innenausbau zu kommen. Viele Mitglieder der Kirchgemeinde konnten sich ganz schlecht damit anfreunden, einen Verein zu gründen. Aber er war unsere einzige Chance.

Welche Ziele hatte der Verein?

Erst einmal den Innenausbau anzukurbeln und die Fördermittel dafür aufzutreiben. Das hat über ein Jahr gedauert. Danach wollten wir das Haus als kulturelles Zentrum für alle Senftenberger öffnen.

Bei rund 200 Veranstaltungen im Jahr dürfte dies rundum gelungen sein.

Beide Säle und die Mehrzweckräume sind gut vermietet. Bei uns finden Konzerte, Filmvorträge, Konferenzen, Lesungen und Ausstellungen ebenso statt wie kirchliche Veranstaltungen, Hochzeiten und Reptilienschauen. Die Yoga-Frauen treffen sich bei uns, es gibt Märchenvorführungen, Bastelstunden und private Feierlichkeiten für bis zu 100 Personen. Im Bürgerhaus haben sich in all den Jahren schon Ingeborg Krabbe, Herbert Köfer, Dieter Mann, Dirk Michaelis, Holger Biege und Baumann & Clausen die Klinke in die Hand gegeben.

Anderswo scheuen sich Vereine davor, ein Bürgerhaus zu betreiben. Sie machen vor, dass es gut funktionieren kann.

Es ist zu schaffen, aber man braucht einen langen Atem und viele Hände, die mit Herzblut und im Ehrenamt wirken. Ein Beispiel dafür ist unsere gute Seele Barbara Bittner, die den Laden aufopferungsvoll zusammenhält. Wichtig ist die Kontinuität in der Vereinsarbeit. Wenn geförderte Stellen nach einem Jahr oder noch schneller wieder wegfallen, dann ist das schwer hinzubekommen.

Was ist das nächste größere Vorhaben?

Die Sanierungsarbeiten im großen Saal des Bürgerhauses zur Verbesserung der Akustik. Startschuss soll im Juli sein. Nachdem alle Versuche fehlgeschlagen sind, an Fördermittel zu gelangen, haben wir die benötigten 20 000 Euro allein zusammengetragen. Ein Teil kommt von der Kirchgemeinde. Der Rest aus Rücklagen des Vereins. Die Akustik muss vor allem für Lesungen und Filmvorführungen verbessert werden. Bei Konzerten ist sie schon ideal.

Das Gespräch führte Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 15. März 2011

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