DANIELA WINDOLFF

Licht der Erkenntnis

Steinbeck (moz) Das Motiv im runden Fenster der Steinbeckerer Kirche ist etwas Außergewöhnliches, stellt die Mittelalterexpertin Gunda Grün fest. Bei der dargestellten Gestalt handele es sich um einen Kerub, einen in der Hierarchie hochgestellten Engel. Ansonsten fänden sich kaum Heiligennamen in evangelischen Kirchen, die in jüngster Zeit gestaltet worden sind.

 
Im Blickpunkt: Das Fenster strahle morgens besonders schön, sagt Barbara von Eckardstein.
© MOZ/Oliver Voigt

Das Fenster wurde im Jahr 1958 von der Künstlerin Katharina Peschel geschaffen, erklärt Barbara von Eckardstein, die Vorsitzende des Kirchenfördervereins. Seit neun Jahren setzt sich der Verein in Steinbeck für den Erhalt des Gotteshauses ein. Es geht um den Erhalt des Gebäudes, sowie um die kulturelle Bereicherung der Gemeinde.

"Wir haben uns schon lange gefragt, was in diesem besonders schönen Fenster dargestellt ist", sagt Barbara von Eckardstein. Gunda Grün hat Erfahrung mit der Beurteilung von christlichen Kunstgegenständen, denn sie studierte unter anderem katholische Theologie und Mediävistik, die Kunde vom Mittelalter. "Die Motivwahl ist außergewöhnlich für eine evangelische Kirche in dieser Gegend und bei dem Entstehungsdatum", urteilt die Expertin. In ihrer Ausarbeitung zur der Motivwahl schreibt sie, dass in jene hochgestellten Engel, wozu die Kerubim gehören, das Urlicht einströmt, "sie geben das Licht der Erkenntnis und der Liebe Gottes weiter".

Diese Engel werden häufig, wie auch in Steinbeck, mit einem Buch dargestellt. Die helle Buchseite steht für den Anfang, die dunkle für das Ende. Ihr Gewand ist meist blau und die zwei Flügel werden "brennend" dargestellt. Von außen fällt das Sonnenlicht durch die Engelsgestalt auf die Besucher. Die Mitglieder des Fördervereins freuen sich über diesen "Schutzengel" der Kirche. Es ist das zweite Fenster an dieser Stelle. 1945 sind Teile der Kirche bei einem Bombardement zerstört worden, wie auch dieses Fenster.

"Die Mehrfachnutzung der Kirche ist uns wichtig", sagt die Vorsitzende des Fördervereins. Natürlich stünde der Erhalt des historischen Gebäudes im Mittelpunkt. Aber es finden sowohl Gottesdienste als auch Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen in und um die Kirche statt. "Unsere Basis ist ökumenisch", sagt die Vorsitzende. Denn die Menschen stehen im Mittelpunkt.

Märkische Oderzeitung vom 02. März 2011

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