Zwiebel im Rohbau

SANIERUNG: Bochower Holzhandwerker erstellen die neue Haube für den Werbiger Kirchturm

 
Handwerker, Förderer, Kirchen- und Gemeindevertreter mit dem Gerüst der Turmhaube.
Foto: Helm

BOCHOW - "Vieles hängt jetzt vom Wetter ab", Johannes Schmidt kann es nicht anders sagen. Denn die Mitarbeiter des Geschäftsführers von Oehnaland Holzverarbeitung in Bochow liegen mit ihren Arbeiten an der neuen Haube für den Werbiger Kirchturm im Zeitplan.

Davon hat sich nun eine kleine Gruppe aus dem Flämingdorf, das seine Kirche retten will, persönlich überzeugt. Die Gemeinde Niederer Fläming als Bauherr ist durch Bürgermeister Ernst Werner vertreten. Auch Mitglieder des Fördervereins und des Gemeindekirchenrates machen sich ein Bild vom Fortgang der Arbeiten.

In der Werkstatt legen zurzeit die Zimmerer Rüdiger Bülow, Sören Leder und Tobias Lehmann fachmännisch Hand an die geschwungenen Holzbalken, die schon zur künftigen Kuppelform zusammengefügt worden sind. Sie verkleiden das Haubengerüst mit Brettern, auf die anschließend Dachpappe kommt, die dann mit Kupferblech überzogen wird.

Auf die Besucher macht die zwiebelförmige Haube einen majestätischen Eindruck. Johannes Schmidt erläutert den Aufbau des Turmes: "Wir werden alles hier in Bochow bis Ende März vorbereiten, damit wir in den ersten zwei Aprilwochen alles hochsetzen können. Der späteste Termin ist die Woche vor Ostern." Das Fundament liegt bereits.

Bis April muss noch einiges geklärt werden. Zum Beispiel, ob und wie der Glockenstuhl eingebaut werden soll. Alle Arbeiten, die nach alter Zimmermannsart durchgeführt werden können, werden erledigt. Momentan fehlen noch die statischen Angaben für den Zwischenteil. Wie imposant der Bau sein wird, lassen die elf bis zwölf Meter Höhe von der Traufkante bis zum Kuppelrand erahnen. Darauf kommt dann noch die Haube selbst.

Die Vorstellungen gehen dahin, alle Bauteile vor der Werbiger Kirche aufzustellen. Sie sollen wie in einem Bausatz dann nach und nach mit einem Kran aufgesetzt werden. Zwischenzeitlich muss auch der Glockenstuhl samt Glocke eingefügt werden. Ein nachträgliches Installieren des Geläuts sei sonst kaum möglich, so die Fachleute.

Klempnermeister Udo Schulze aus Hohenseefeld wiederum ist speziell für die Verkleidung des Daches mit Kupfer verantwortlich. Das Blech werde nicht gelötet, sondern gefalzt, erklärt er. "Denn wenn die Sonne auf die eine Seite der Kuppel scheint, erreichen die Bleche eine Temperatur von bis zu 60 Grad. Die Schattenseite bleibt aber erheblich kälter. Eine Falzung gibt der Kupferverkleidung die nötige Beweglichkeit, die entstehenden Spannungen auszugleichen."

In der großen Freihalle des Bochower Betriebes lagern die restlichen Balken für den Kirchturmbau. Die meisten davon haben Paten, die einzelne Balken zur Unterstützung des Kirchenbaus kaufen konnten. Verwendet werden ausschließlich märkische Kiefern. Insgesamt 17 Kubikmeter Holz werden benötigt.

Offen ist noch die Farbgebung der Balken. Will man historisch genau sein, so wäre eine Lasur mit natürlichem Öl und eine dadurch erzielte Bräunung denkbar. Immerhin soll die 800 Jahre alte Kirche nach ihrer Sanierung möglichst ihr historisches Aussehen wiedererlangen. (Von Michael Helm)

Märkische Allgemeine vom 02. März 2011

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