Zwei Kirchen im Dorf

GEMEINDELEBEN: Förderverein engagiert sich seit fünf Jahren für die Gotteshäuser in Golzow und Pernitz

GOLZOW - Wenn Jens Meiburg heute an der Pernitzer Kirche vorbeikommt, freut er sich jedes Mal, dass es gelungen ist, sie zu erhalten. "Denn es ist eine schöne kleine Dorfkirche mit wunderbarer Atmosphäre", sagt der Pfarrer, auf dessen Initiative sich 2005 der Förderverein Kirchen Golzow/Pernitz gegründet hat.

"Ihr Zustand war bedenklich", erinnert sich der Vereinsvorsitzende nur zu gut. Der Turm, der nicht mehr geläutet werden durfte, stand schief und drohte einzustürzen. Damals stand die große Frage, ob die Kirchengemeinde dieses Bauwerk überhaupt retten kann, denn beantragte Beihilfen von Landeskirche und Kirchenkreis waren nicht genehmigt worden. "Eine Sache der Priorität, ein Dorf mit zwei Kirchen ist ausgesprochen ungewöhnlich", sagt Meiburg.

Da man das 1699 als Fachwerkkirche errichtete und im 18. Jahrhundert mit Klinker ummantelte Pernitzer Gotteshaus nicht dem Verfall preisgeben wollte, sind Spenden gesammelt, ein Förderverein gegründet, weitere Anträge gestellt worden. "Um die Unterstützung auf eine breitere Ebene zu stellen", erklärt Meiburg. "Was auch gelang." Mit Hilfe des Landes Brandenburg, des Landkreises, des Förderkreises "Alte Kirchen" und vieler Einzelspenden konnten 2006 rund 70 000 Euro in Fachwerkturm, Dach, Deckenbalken und Glockenanlage fließen. Später wurde auch noch die bis zur Wende als Unterrichtsraum für die Christenlehre genutzte Winterkirche zurückgebaut, um den einheitlichen Kirchenraum wieder herzustellen.

"Das ist natürlich nicht nur unser Werk allein, sondern auch von Kirchengemeinde, Spendern und Fördermittelgebern", betont der Vereinsvorsitzende. Die letzten Jahre seien davon geprägt gewesen, beide Kirchen mit Leben zu erfüllen, wozu Konzerte und ab und an auch Theateraufführungen gehören. Am Sonntag vor Ostern wird es wieder ein Frühjahrskonzert mit dem Gemischten Chor Golzow und Gästen geben. Ebenso etabliert sind inzwischen Herbst- und Adventskonzert. Ein besonderes musikalisches Erlebnis verspricht Meiburg am 4. Juni mit dem Franz-Grothe-Quartett aus Brandenburg. "Es spielt keine klassische Musik, sondern Klassiker der Unterhaltungsmusik von Ragtime, über Filmmusiken bis hin zu den Beatles. Und das alles mit Streichern."

Als nächstes soll die Pernitzer Kirche einen Innenanstrich erhalten. Ein Treffen mit Denkmalbehörden und Restauratorin, die ein Farbgutachten erstellt hat, ist laut Meiburg im März geplant. "Kosten und Zeitschiene stehen aber noch nicht fest." Ebenfalls längerfristig angelegt ist das Ziel, die Schuke-Orgel mit fünf Registern zu restaurieren und wieder bespielbar zu machen. Denn seit einigen Jahren ist sie stumm. Der Förderverein hat derzeit 14 Mitglieder. "Weitere Mitstreiter", sagt der Pfarrer, "sind willkommen."

Kontakt: 03 38 35/6 06 10. (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 01. Februar 2011

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