Schönheitskur für die Kanzel

ORTSTEILE: Dorfkirche wird weiter restauriert

POTSDAM / GROSS GLIENICKE - Die Schönheitskur für die Dorfkirche von Groß Glienicke kann weitergehen dank einer Großspende von 20 000 Euro! Nach Dach, Brautpforte und Taufbecken wird nun auch die barocke Kanzel restauriert. "Das ist nicht nur ein kunsthistorisch bedeutsamer Ort, sondern auch ein wichtiger sakraler Ort für die Verkündigung von Gottes Wort", sagt Pfarrer Bernhard Schmidt. Er erinnert daran, dass 2003 Bischof Wolfgang Huber im ZDF-Fernsehgottesdienst von der schönen Kanzel predigte und im vergangenen Jahr unmittelbar nach dem Rücktritt von Margot Käßmann Altbischof Martin Kruse.

Jetzt sind der Schalldeckel sowie die Zierbretter und aller plastischer Schmuck abmontiert. Vorsichtig und mit Handschuhen geht das junge Restauratoren-Team M & B alias Kathrin Mikszas (33) und Janko Barthold (34) zu Werke. Sie haben bereits die Brautpforte und die Taufe erforscht. Nun hat für das Duo abermals eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit begonnen. Anhand von Querschliffproben untersuchen die beiden unter dem Mikroskop die Farbschichtenfolge auf den Hölzern. "Durch mikrochemische Analysen kann man herausfinden, welche Pigmente und Bindemittel der Künstler damals verwandt hat und so auf die Entstehungszeit schließen", sagt Barthold. Sie vermuten, dass es sich um eine Fassung von 1680 handelt. Auf diese Zeit wollen die Denkmalpfleger den Innenraum als Gesamtkunstwerk zurückführen.

Alles spricht dafür, dass Hans Georg III. von Ribbeck für die prächtige Ausstattung der ehemaligen Patronatskirche des osthavelländischen Teils der Familie sorgte, nach dem er 1669 Domherr in Brandenburg geworden war. Das bezeugt die Inschrift der Empore, die auf 1680 datiert ist. Laut Stadtkonservator Andreas Kalesse dürften die neue gesellschaftliche Stellung und die Einheirat in vermögenden sächsischen Uradel die Basis für die Neugestaltung gewesen sein. Auffällig ist das goldene Tulpenmotiv am Taufbecken. Es findet sich in allen Patronatskirchen der Ribbecks. Seine Bedeutung gibt noch Rätsel auf. "Vielleicht steht es ja auch für die holländische Herkunft der Familie", so Barthold.

Die nach der Restaurierung heute wieder farbenfrohe Bemalung der Taufe spaltete die Gemüter. "Kein Wunder, 1929 war dieser fürchterliche Grauton in die Kirche gekommen", sagt Burkhard Radtke. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates wurde hier 1939 getauft. Insgesamt 1,5 Millionen Euro mit Fördermitteln sind bereits für die Rettung des Gotteshauses geflossen, sagt er. Die Gemeinde trug viel dazu bei. Der Förderverein gab unter anderem 8000 Euro für die Taufe und macht jetzt 7000 Euro für die Kanzel locker. (Von Carola Hein)

Märkische Allgemeine vom 31. Januar 2011

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