KULTUR: Das Antlitz des Taufengels

Schulzendorfer warten auf eine himmlische Botschaft

SCHULZENDORF - Seit Jahrzehnten hat seine Schönheit keine Menschenseele zu Gesicht bekommen. Für einen Besuch von Mitgliedern des Vereins zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers holten ihn Mitarbeiter des Märkischen Museums in Berlin aus dem Depot.

"Wir waren überrascht, in welch gutem Zustand unser Taufengel ist", schwärmen Heidi und Herbert Burmeister. Sie konnten sich gar nicht satt sehen an seinem Antlitz, schossen von allen Seiten Fotos für die Chronik und das Bautagebuch auf der Internetseite des Vereins (www.patronatskirche.de).

Seit 1902 liegt die Kostbarkeit im Verborgenen. Damals hatte der Schulzendorfer Pfarrer Richter den aus der Mode gekommenen Taufengel dort abgegeben. "So ist er in den Besitz des Märkischen Museums übergegangen", erklärt Heidi Burmeister. Das Alter des Taufengels stehe nicht zu Hundert Prozent fest. Es sei jedoch davon auszugehen, dass er so alt ist wie die neue Kanzel aus der alten Kirche. Die so dokumentieren es die Bücher wurde im Jahr 1698 angeschafft. Um diese Zeit könnte auch der Taufengel Einzug in das Gotteshaus gehalten haben. Damals wurden die Engel von der Decke herabgelassen, wenn eine Taufe stattfand.

Ein gutes Jahrhundert später ist es vorbei mit dieser Tradition. Schulzendorf bekommt 1836 ein Taufbecken geschenkt. Der Engel wird außer Betrieb genommen. 1902 erfolgt der Abriss der alten Kirche. Der Taufengel hat endgültig ausgedient und kommt ins Museum.

Mit diesem Schattendasein soll es nun vorbei sein, wenn es nach dem Willen der Vereinsmitglieder geht. "Wir wollen ihn zurück", so die Burmeisters. Im Verein sei man sich da einig. Und im Märkischen Museum würde er sowieso nie ausgestellt, müsste weiter im Depot verweilen, imprägniert gegen Holzwurmbefall, eingepackt in dicke Folien, für niemanden sichtbar. Doch damit der Engel die Reise zurück nach Schulzendorf antreten kann, müssen die richtigen klimatischen Bedingungen in der Kirche vorhanden sein. Deswegen hat Restauratorin Annett Xenia Schulz jetzt ein Klimamessgerät in der Patronatskirche installiert. Per Computer wird erfasst über wahrscheinlich ein ganzes Jahr hinweg welche Raumbedingungen in dem einstigen Gotteshaus und jetzigem Veranstaltungsraum herrschen. "Es muss gesichert sein, dass der Taufengel hier keinen Schaden nimmt", so Heidi Burmeister. Wenn auch die Kosten für seine Restaurierung aufgebracht werden können, dann darf die Figur mit dem gütigen Engelsgesicht zurück nach Hause in die Patronatskirche Schulzendorf. (Von Andrea Müller)

Märkische Allgemeine vom 24. Dezember 2010

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