BAUEN: Kirchengemeinde muss neu rechnen

Kommune Stahnsdorf kann Renovierung der Dorfkirche wegen angespannter Haushaltslage nicht unterstützen

STAHNSDORF - Zu Pfingsten noch war man in der evangelischen Kirchengemeinde Stahnsdorf zuversichtlich. Bei der "10. Nacht der offenen Kirchen" gab es ein abwechslungsreiches Programm, der Förderverein informierte ausführlich über sein Projekt "Renovierung unserer Dorfkirche" um Spenden einzuwerben. Doch nun wird in Gemeindekirchenrat und Förderverein neu gerechnet und kalkuliert. Denn auch die kirchliche Gemeinde ist von der Haushaltskrise der weltlichen betroffen. Auf Null reduzierte sich im aktuell verabschiedeten Haushalt der Kommune Stahnsdorf ein Zuschuss von ursprünglich 50 000 Euro, der eigentlich anvisiert war, um die Sanierung des Stahnsdorfer Wahrzeichens auf dem Dorfplatz finanziell zu unterstützen.

"Im Bauausschuss unserer Kirchengemeinde haben wir jetzt diskutiert, was in Sachen Sanierung überhaupt geht und vor allem wann es möglich sein wird", sagte Pfarrer Peter Edert, der jüngst Walter Schlegel als neuer Gemeindekirchenratsvorsitzender abgelöst hat, gestern zur MAZ.

Wie berichtet, stehen an der Kirche umfangreiche Arbeiten an. Dazu gehören eine neue Dacheindeckung sowie Holzarbeiten an Dach und Turm, an Deckenbalken sowie Ausbesserungen am Sockel des Gebäudes und Malerarbeiten im Kirchenraum.

Die Stahnsdorfer Dorfkirche gehört zu den ältesten Kirchen auf dem Teltow. Der Baubeginn wird auf die Zeit um 1200 angesetzt. Der markante Marienaltar aus dem 15. Jahrhundert wurde bereits 2007 restauriert. Er zeugt von der einstigen Bedeutung der Pfarre Stahnsdorf, die noch im 19. Jahrhundert bis an den kleinen Wannsee reichte.

In Sachen Sanierung gibt es freilich einen Rückstau. So wäre im Innenraum ein neuer Anstrich nötig, die letzte Renovierung dort geschah in den 80er Jahren. "Doch bevor man an die Malerarbeiten herangehen kann, müsste erst das Dach gemacht werden", erklärt der Pfarrer. Hintergrund: Der Dreck rieselt durch die Dachkonstruktion in das Innere des Gotteshauses, dabei möchte der Denkmalschutz möglichst viel der alten Konstruktion erhalten sehen, so Edert. Neu eingedeckt wurde das Kirchendach schon seit mindestens 1930 nicht mehr haben Erkundungen ergeben. Jahrzehnte wurde das Dach mit vorhandenen Schindeln nur umgedeckt. In der Kirchengemeinde arbeite man an verschiedenen Szenarien, sagte Edert. Klar sei, "wenn Schäden auftreten, wird repariert". Ansonsten möchte man die Planung wie vorgesehen im Jahr 2011 angehen. Wenn konkrete Zahlen für einzelne Maßnahmen vorliegen, müsse man sehen, in welchen Schritten die Sanierung auch zeitlich zu bewältigen sei. Bislang rechnete die Kirche mit einem finanziellen Aufwand von rund 450 000 Euro, den sich Kirchengemeinde, Kommune und Kirchenkreis und Landeskirche teilen sollten. "Überrascht von dem Rückzug der Kommune waren wir vor deren finanziellen Hintergrund zuletzt nicht", sagte Edert, die Gemeinde habe immer mit offenen Karten gespielt. (Von Konstanze Wild)

Märkische Allgemeine vom 16. Dezember 2010

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