Das zweite Leben als Konzerthaus

von Matthias Bruck

 
Einst fast verfallen ist die Glambecker Fachwerkkirche heute ein Konzertsaal.
Die Konzerte in der Glambecker Kirche sind kein Geheimtipp mehr. Bekannte Künstler geben sich die Klinke in die Hand.

GLAMBECK - Er war ein bitterkalter Tag, der 2. Januar 2000, an dem Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg frierend im Wald vor der kleinen Glambecker Fachwerkkirche stand und von draußen die Wiedereinweihung des Gotteshauses verfolgte. "Damals waren so viele Menschen gekommen, dass unmöglich alle in das kleine Gebäude passten. Die Glambecker Kirche hatte damals schon einen besonderen Ruf", erinnert sich Janowski. Das Fachwerkgebäude, von den einheimischen auch manchmal als Arme-Leute-Kirche tituliert, war zu DDR-Zeiten arg verfallen und musste von 1979 bis 1998 sogar baupolizeilich gesperrt werden. Nach der Wende gab die Kirchenverwaltung das Kirchlein auf - die Geschichte der Glambecker Kirche, die erstmals 1543 urkundlich erwähnt worden war, schien zu Ende. "Wenn es nicht den Förderverein Denkmale Glambeck e.V. gegeben hätte, der sich die Sanierung des verfallenen Gotteshauses auf die Fahnen geschrieben und sie mit Hilfe von Arbeitsfördermaßnahmen auch geschafft hatte", sagt Janowski.

Seitdem gilt das Kirchlein als begehrte Adresse für Konzerte und Ausstellungen, hier treffen sich Kirchengemeinden aus anderen Orten, tausende Radfahrer suchen sie jährlich auf. Sie gilt offiziell als Fahrrad-Kirche - drei Stück von ihnen gibt es im Land Brandenburg, neun in ganz Deutschland. Schließlich führt der Radweg Berlin-Usedom direkt an der Kirche vorbei. Neben dem Gotteshaus befindet sich die Kirchenklause, in der die Radfahrer sich im Sommer stärken können. "Aber auch im Winter hat die Klause bei Veranstaltungen geöffnet, dann gibt es Kaffee und Kuchen", sagt die langjährige Vorsitzende des Denkmale Glambeck e. V. Heimtraud Eichhorn. Sie kommt schnell ins Schwärmen, wenn sie von der Glambecker Kirche spricht. "Es ist die Dreieinigkeit von Gotteshaus, Ort der Stille und Kunst und Kultur", die die Faszination der Kirche ausmacht", ist sie überzeugt. Und ein Blick ins Gästebuch beweist, dass sie Recht hat. "Wir sind tief beeindruckt von der Liebe, mit der sie dieses Kirchlein behüten und behütet haben, nachdem stürmische Zeiten sie immer wieder arg gezaust und erschüttert haben. Selten habe ich in einer mir zuvor fremden Kirche so gern verweilt", ist da beispielsweise zu lesen.

Die Konzertreihe, die Heimtraud Eichhorn in der Glambecker Kirche aufgebaut hat, ist längst über den Status eines Geheimtipps hinausgewachsen. "Renommierte internationale Künstler freuen sich, wenn sie bei uns auftreten dürfen", sagt sie. Am 18. Dezember gastieren beispielsweise die Sopranistin Simone Schröder, die auch an der Deutschen Oper in Berlin zu hören und zu sehen ist, und die bekannte Blockflötistin Susanne Ehrhardt mit Weihnachtskantaten von Telemann. Und am 1. Januar eröffnet das Duo Bernau-Scholl die Konzertsaison 2011 mit der Oper "Don Giovanni" "Mit Klavier, Violine und Rezitationen bringen sie große Oper in eine kleines Format - fantastisch" schwärmt Heimtraud Eichhorn. "Weit über 100 Konzerte haben hier seit der Wiedereröffnung stattgefunden. Im kommenden Jahr stellen wir 15 Konzerte auf die Beine. Dazu kommen Personalausstellungen von bildenden Künstlern der Region", berichtet sie.

Morgen eröffnet die Templiner Malerin Sigrid Kurenz eine Exposition in der Kirche. Für den Kirchenhistoriker hat schlichte Gotteshaus noch einen ganz besonderen Wert. Die Glocke von 1772 stammt aus der Berliner Glockengießerei Fuchs. "Sie ist wirklich unser Kleinod, außerdem ist sie die einzig erhaltene Glocke dieser Gießerei und ist in der Liste der Glocken mit hohem Kunstwert verzeichnet", berichtet Heimtraud Eichhorn und müht sich dabei nicht, den Stolz in ihrer Stimme zu verbergen.

Der Prignitzer vom 11. Dezember 2010

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