BAUEN: Kirche von unten

Restauratorin hat die Wandbemalungen des Rohrbecker Gotteshauses analysiert

ROHRBECK - Wenn der Schnee auf dem eigentlich roten Dach liegt, sieht die Rohrbecker Kirche fast unwirklich aus. Seit Oktober ist der zweite Sanierungsabschnitt fertig. Die Gerüste sind abgebaut. Die neue Fassade strahlt so makellos wie die verschneite Umgebung und hebt sich auch kaum mehr vom bedeckten Himmel ab. Keine Spur mehr vom rissigen und vergilbten Putz, der in den vergangenen Jahren wegen der erhöhten Lage der Kirche das Bild des ganzen Dorfes leicht einschmuddelte.

200 000 Euro hat die Sanierung der Kirche bisher gekostet. Die Gemeinde Dallgow hat dazu noch Fußweg und Beleuchtung auf dem Kirchengelände gesponsert. Fertig ist die Kirchengemeinde aber noch lange nicht. Der kniffligste Teil kommt erst noch das Kircheninnere, wo neue Pinselstriche, neue Farben und andere Materialien den Besuchern am meisten auffallen. Der Gemeindekirchenrat hat sich vorgenommen, in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres mit der vermutlich langwierigen weil teuren Innensanierung zu beginnen, sagt die Baubeauftragte Elisabeth Fleisch. Bis dahin muss noch einiges an Geld aufgetrieben werden und das könnte komplizierter sein als bisher. Denn weder das Land noch die Kirche, die die ersten beiden Bauabschnitte großzügig gefördert haben, stehen als Geldgeber zur Verfügung. "Wir müssen an Stiftungen und private Spender herantreten", sagt Elisabeth Fleisch. Die nötigen 160 000 Euro auf diesem Weg zu organisieren, dürfte ein harter Brocken Arbeit werden. Dennoch ist die Kirchengemeinde guter Dinge und macht sich schon Gedanken darüber, wie ihre Kirche künftig aussehen könnte. Klar ist momentan nur eines: So wie seit 1970, als ein Renovierteam alle Wände geweißt und das darüber liegende Tonnengewölbe gelb gestrichen hat, soll sie nicht bleiben.

Behilflich bei der Auswahl der Farben ist Karin Jacob. Die Restauratorin aus Ketzür hat sich schon im Sommer eine gute Woche lang in dem kleinen aber in Teilen gut 700 Jahre alten Gotteshaus umgetan. Mit einem Skalpell hat sie Farbschichten an den graublauen Sitzbänken abgetragen und darunter ein bräunliches Holzimitat zutage gefördert, aufgebracht bei der vorletzten großen Renovierung im Jahr 1903. An den Balken des Tonnengewölbes hat sie Grau- und Grüntöne gefunden, am Gemäuer hat sie ockerfarbene Spuren der Barockzeit zutage gefördert, dann hat sie in der Apsis stundenlang weiße Farbe von der Wand gewaschen und darunter lindgrüne Blumenornamente und hellblauen Himmel freigelegt. Die Ornamente waren 1903 vom Berliner Max Kutschmann einem in der Region viel beschäftigten Kirchenmaler aufgetragen worden.

Am Donnerstag stellte Karin Jacob den zuständigen Mitgliedern des Gemeindekirchenrats und dem Planer Ingo Dreger ihre Ergebnisse vor. Eine freie Anlehnung an Kutschmanns wilhelminische Heimatstil-Bemalung sei möglich, sagte sie. Die Ranken komplett zu restaurieren, sei aber schwierig und teuer womöglich zu teuer für die Kirchengemeinde.

In Rohrbeck wird man nun überlegen, sich Farbproben anschauen und verschiedene Vorschläge durchdenken. Die endgültige Version muss auch mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Die Zeit drängt aber nicht. Solange das Geld nicht zusammen ist, müssen sich die Kirchgänger ohnehin erst mal mit der neuen Fassade zufrieden geben. (Von Oliver Fischer)

Märkische Allgemeine vom 11. Dezember 2010

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