DENKMALSCHUTZ: Der Engel macht den Anfang

Wutiker wollen ihre Kirche retten: Förderverein wird gegründet

WUTIKE - Einen ersten Erfolg kann Gemeindepädagoge Oliver Neick dieser Tage schon verkünden: Der Taufengel der Wutiker Kirche hat gute Chancen auf lebenserhaltende Maßnahmen. Das Schnitzwerk aus dem 18. Jahrhundert fand Aufnahme in die Aktion "Menschen helfen Engeln" des Landesamtes für Denkmalpflege, der evangelischen Landeskirche und des Förderkreises Alte Kirchen. Die Aktion stellt jährlich sechs brandenburgische Taufengel vor und wirbt um Spenden.

Taufengel sind typisch für die Barockzeit, weiß Oliver Neick. Irgendwann gerieten sie aber auch wieder nachhaltig aus der Mode. "Den hier hat Pfarrer Bährens irgendwann in den 60ern vom Dachboden geholt." Bährens sorgte damals zwar für eine neue Farbgebung und einige Reparaturen, doch Holz und Anstrich haben über die Jahrhunderte so gelitten, dass inzwischen dringend eine Sicherung notwendig ist. Die Flügel müssten wieder sicher befestigt, Folgen von Wurmbefall beseitigt und abblätternde Farbschichten fixiert werden. Zudem hat der Engel eine Funktion. "Das ist hier in der Kirche die einzige Taufschale", erklärt Neick. "Die nächste Taufe ist für den Mai angekündigt. Bis dahin muss das also fertig sein."

Rund 1500 Euro soll die Reparatur Schätzungen einer Restauratorin zufolge kosten. "Wir haben einige Leute im Dorf, die gesagt haben: Wir unterstützen das. Aber den ganzen Betrag bekommen wir nicht zusammen", berichtet Neick. Er erhofft sich, dass über die Aktion "Menschen helfen Engeln" der Rest aufgebracht werden kann.

Für die Wutiker Kirche kann das aber nur ein Anfang sein. Turm und Teile des Kirchenschiffs stammen aus dem 14. Jahrhundert. 300 Jahre später wurde der massive Feldsteinbau mit einer Fachwerkkonstruktion erweitert. "Die Kirche ist an sich eine Mischung aus allem Möglichen", sagt Neick, "Aber das macht es so spannend wie eine Reise durch die Jahrhunderte." Doch eben die sind dem Gebäude inzwischen deutlich anzusehen. Vor allem das Holz des Fachwerks hat gelitten. Eine aufwendige Sanierung ist unumgänglich.

Genau zu diesem Zweck will man in Wutike nun einen Förderverein gründen. Am vergangenen Freitag gab es schon mal ein Vorbereitungstreffen. Laut Neick haben sich bisher rund 15 Menschen zur Mitarbeit bereiterklärt. "Spätestens im Frühjahr soll der Verein stehen." Dann will man Spenden sammeln, Stiftungen und Förderprogramme ansprechen und vor allem die Wutiker Kirche als Kulturschauplatz etablieren. Denn die kleine Kirchengemeinde für sich kann das Haus nicht am Leben erhalten.

"Erstes größeres Projekt ist es, die Glocken wieder in Gang zu bekommen", kündigt der Gemeindepädagoge schon mal an. Derzeit stellt das Läuten nämlich eine zu große Gefahr für die Bausubstanz dar. Für heute hat sich der Glockensachverständige der Landeskirche in Wutike angekündigt. Neick ist gespannt: "Da werden wir mal sehen ..."

Die Glocken liegen den Wutikern offenbar sehr am Herzen, obwohl noch mehr als genug Arbeit an dem historischen Gemäuer zu tun bleibt. Neick zeigt sich da aber noch vorsichtig: "Für die Hauptsache müssen wir sowieso an andere Geldquellen ran." (Von Alexander Beckmann)

Alexander Beckmann findet, dass Kirchen längst nicht nur religiöse Bedeutung haben

Ein echtes Erbstück

Das Wutiker Ansinnen, die Kirche im Dorf zu sanieren und somit für kommende Generationen zu retten, kommt später als anderswo in der Region. Das wird das Vorhaben sicherlich nicht erleichtern. Schließlich sind praktisch überall schon eine Menge Spenden für Kirchen gesammelt worden. Land auf, Land ab wird in Kirchen Kultur veranstaltet, um Geld für ihre Sanierung zusammenzubekommen, wurden Fördertöpfe gebildet und geleert. Ja, es wird durchaus die Frage gestellt, ob es nicht dringendere Dinge voranzubringen gäbe als ausgerechnet Kirchen. Schulen, Kitas und Altenheime beispielsweise. Doch für Wutike steht mit der Kirche wie für andere kleine Orte durchaus dörfliche Identität auf dem Spiel. Es ist eben doch dieses Haus, von dem alle sagen können: Es ist unseres, das, was uns unsere Vorfahren hinterlassen haben. Religion spielt dabei höchstens eine untergeordnete Rolle. So eine Dorfkirche wie die Wutiker ist, gerade auch, weil so viele Generationen an ihr herumgewerkelt haben, ein echtes Erbstück. Wohnhäuser, Höfe, Straßen sind gekommen und gegangen die Kirche war immer da und hat sie alle überlebt. Es ist den Wutikern zu wünschen, dass sie dies vielen Menschen verdeutlichen können, auch wenn es nun vielleicht etwas länger dauert.

Märkische Allgemeine vom 08. Dezember 2010

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