Orgelpfeife als Weihnachtsgeschenk

Altglietzen (moz) Der Orgel-Förderverein Insel Neuenhagen setzt sich für die Erhaltung und Wiederherstellung der Orgeln in den evangelischen Kirchen Altglietzen, Bralitz und Neuenhagen ein. Die Vorsitzende Anja Liske hatte am Freitagabend zur Jahreshauptversammlung nach Altglietzen eingeladen. Bevor der Verein seinen turnusmäßigen Verpflichtungen im Pfarramt nachkam, probierte die Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde Seelow das Instrument in der Altglietzener Kirche aus. Auch dieses müsste umfassend saniert werden. Der Verein sucht weiter intensiv nach Paten und Geldspendern.

 
Was funktioniert noch? Anja Liske testet die Orgel in der Kirche Altglietzen.
© MOZ/Sabine Steinbeiß

Anja Liske sitzt an der Klaviatur der Sauer-Orgel in der Kirche Altglietzen. Sie zieht an verschiedenen Registerzügen und probiert mit ihren Füßen einige Pedale aus. Mal etwas lauter, mal leiser erklingen verschiedene Töne. "Sie hat heute einen guten Tag erwischt", betont die gelernte Orgelbauerin. Aber zum Spielen von Musik­stücken reicht es nicht.

"Die Orgel ist bis auf zwei im Gottesdienst nicht einsetzbare Register unspielbar", erklärt die Fachfrau. Der Spieltisch befinde sich in einem schlechten Zustand. Das Pfeifenmaterial müsste eigentlich auf den Stand von 1903 zurückgeführt werden. Denn im Zuge eines tiefgreifenden Umbaus verlor das Instrument 1956 seine originale Klangfarbe.

Ähnlich schlecht sieht es auch mit den anderen beiden Königs-Instrumenten aus. Die Sauer-Orgel in Bralitz wird von den Vereinsmitgliedern mit Zahnlücken verglichen. "Etliche Prospektpfeifen fehlen. Sie wurden durch dünnere Pfeifen notdürftig ersetzt", erklärt Anja Liske. Ein Register (also eine über den gesamten Tonumfang reichende Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe) sei komplett entwendet worden. Wichtige Teile der Mechanik befinden sich in einem kläglichen Zustand. "Das Instrument bedarf einer umfangreichen Restaurierung, um es vor der drohenden Unbespielbarkeit zu retten", so die engagierte Vereinsvorsitzende.

Ein fast vergessener Schatz befindet sich in Neuenhagen. Das 1902 erbaute Instrument ist die zweitletzte von Paul Bütow erhaltene Orgel und in ihrer nahezu unveränderten Originalität ein Unikat. "Es fehlt nur ein Register, die Pfeifen wurden nie umgestimmt", erklärt Anja Liske. Aber die Orgel weist beträchtliche technische Schäden auf. Große Sorgen bereitet dem Verein vor allem der Holzwurmbefall, der mit Gas zu bekämpfen versucht wurde.

Daher sei die in diesem Jahr anvisierte Sanierung der Bütow-Orgel verschoben worden. "Eigentlich wollten wir ja schon längst fertig sein. Jetzt hoffen wir auf Frühjahr oder Sommer des nächsten Jahres", zeigt die Vereinsvorsitzende den Zeitplan auf.

Jedoch fehlen dem Förderverein die Gelder, um die Sanierungen der drei Orgel aktiv vorantreiben zu können. "Daher suchen wir weitere aktive Mitstreiter", wirbt Schatzmeister Gerhard Grusenick. Die Jahresmitgliedschaft betrage 20 Euro. Weil der Verein vom Finanzamt anerkannt ist, könnten problemlos Spendenquittungen ausgestellt werden. "Jede noch so kleine Spende wird benötigt. Nicht jeder muss eine Prospektpfeife kaufen", erklärt der Schatzmeister. Er würde sich jedoch riesige freuen, wenn weiter Patenschaften über die Pfeifen, die von außen zu sehen sind – das sind Prospektpfeifen –, übernommen werden.

"Das wäre doch ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk", fügt Anja Liske an. Jeder Pate bekommt einen aufwändig gestalteten Patenbrief. Derzeit werde für Prospektpfeifen in Bralitz und Neuenhagen geworben. "Man kann sich auch über das Internet seine Orgelpfeife aussuchen", betont Gerhard Grusenick.

Weitere Auskünfte unter Telefon 033369 744790 (Gerhard Grusenick). Mehr Informationen: www.orgelförderverein-inselneuenhagen.de

Märkische Oderzeitung vom 29. November 2010

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