SANIERUNG: Mauerwerk wurde geimpft

Holzbock und Schwamm sollen aus der Ketziner St.-Petri-Kirche raus

KETZIN - Von seinem im Juni geäußerten Wunsch, den Gottesdienst zu Weihnachten in der sanierten St.-Petri-Kirche halten zu können, hat sich Thomas Zastrow längst verabschiedet. "Es ist nicht zu schaffen. Wir können froh sein, wenn das Dach bis dahin dicht gemacht ist", sagt der Pfarrer und ergänzt: "Aber die Ketziner müssen auf den Weihnachtsgottesdienst nicht verzichten, er wird in der katholischen Kirche stattfinden."

Die Schuldigen am Zeitverzug sind schnell benannt: Hausschwamm, Fäule, Pilzbefall, Nagekäfer und der Holzbock. So ziemlich alles, was man vermutet hatte, sei tatsächlich im Gebälk und am Mauerwerk der um 1750 erbauten Kirche gefunden worden. "Besonders die Deckenauflageträger sind betroffen, aber auch die Deckenschalung", sagt Zastrow. Abgesehen vom Mehraufwand für die Baufirmen trat noch ein anderes Problem zutage, das keiner auf der Rechnung hatte. "Es war über Wochen nicht möglich, geeignetes Ersatzholz zu bekommen. Wir haben Spezialgrößen benötigt, in Länge und Querrschnitt. Das hatte niemand", so Zastrow.

Nach diesen Hiobsbotschaften ereilte die evangelische Kirchengemeinde vor wenigen Tagen auch eine gute Nachricht. Die derzeit eingehauste Orgel muss vorerst nicht abgebaut werden, das dahinter liegende Mauerwerk ist laut einer Laboranalyse zu DDR-Zeiten gegen Schwamm chemisch vorbehandelt worden. "Erst wenn die jetzige Sanierung abgeschlossen und die Kirche gereinigt wurde, packen wir die Orgel aus und untersuchen, ob ihre Rückwand Schäden aufweist", zeigte sich der Pfarrer erleichtert. Gegebenfalls müsse dann das Mauerwerk noch aufgebohrt und geimpft werden, wie an anderen Stellen in der Kirche schon geschehen. Wo die dafür anfallenden zusätzlichen finanziellen Mittel herkommen sollen, weiß aber noch niemand.

Auch einen Termin für den Abschluss aller Arbeiten gibt es noch nicht. Wobei Thomas Zastrow nicht müde wird, mit dem Irrtum aufzuräumen, die Kirche sei dann nicht wiederzuerkennen. "Wir sanieren die Grundstruktur, machen also keine Schönheitskur. Das einzige, was die Leute sehen werden, ist innen die neue Farbe an der Decke." Auf neue Fenster, neue Elektrik oder neue Bänke und Stühle in dem Gotteshaus müssen die Ketziner also noch warten. Aber zumindest von außen ist die Kirche dann keine Baustelle mehr. (Von Jens Wegener)

Märkische Allgemeine vom 23. November 2010

   Zur Artikelübersicht