INITIATIVE: Sorge um altes Pfarrhaus

In Friesack soll Anfang nächsten Jahres ein Kirchenförderverein gegründet werden

FRIESACK - Ob Christen oder Nichtchristen; in einem sind sich in Friesack alle einig: Die evangelische Kirche im Ort gehört zum historischen Stadtbild und für deren Erhalt muss etwas getan werden. Dabei ist man in diesem Jahr schon einen bedeutsamen Schritt vorangekommen: Für 250 000 Euro wurde die Außenhülle der Kirche saniert. Doch dies reicht noch nicht aus. Auch im Inneren des Gotteshauses gibt es einiges zu tun, wie die Fußbodenerneuerung oder aber Renovierungsarbeiten. Die evangelische Kirchengemeinde allein wird alle Aufgaben nicht lösen können.

Um möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen, wird nun ein Förderverein gegründet. Der Anfang dafür ist gemacht. Im Gemeindesaal des Pfarrhauses hatten sich vor kurzem 20 interessierte Einwohner und Gäste eingefunden, zu denen auch Amtsdirektor Christian Pust und Bürgermeister Werner Töpfer zählten. Gemeinsam wurde über die Gründung eines Fördervereins diskutiert.

Zum Abschluss der lockeren Aussprache erklärten sich zwölf Teilnehmer bereit, bei der Gründung eines solchen Kirchenfördervereins mitzuwirken. Unter Leitung von Pfarrer Mathias Wohlfahrt wird nun eine fünfköpfige Arbeitsgruppe heute Abend um 18.30 Uhr im Friesacker Pfarrhaus den Entwurf einer Vereinssatzung diskutieren, wozu auch alle weiteren Interessenten eingeladen sind. Anfang nächsten Jahres will man sich dann erneut treffen und den Förderverein aus der Taufe heben.

So viel scheint aber schon jetzt festzustehen: Der künftige Förderverein wird sich nicht nur für die Stadtkirche engagieren, sondern vordergründig auch um das Pfarrensemble mit Pfarrhaus, Kantorenhaus und dem Gebäude Burgstraße 2 (Küsterhaus) kümmern.

"Kirche und Pfarrhaus bilden ein Ensemble und müssen als solches erhalten bleiben", eröffnete das ehemalige Mitglied des Gemeindekirchenrates Joachim Christianus die Diskussion. Allerdings sei der Erhalt des Pfarrhauses wichtiger als die Innensanierung der Kirche, ergänzte Klaus Gottschalk seinen Vorredner.

Und mit dieser Meinung stand er an dem Abend nicht allein. Denn das Pfarrhaus ist in einem so maroden Zustand, dass es nicht mehr bewohnbar ist. Lediglich der Gemeindesaal wird für Veranstaltungen genutzt, die Küche ist provisorisch hergerichtet. Ersten Schätzungen zufolge sind für eine Sanierung des Pfarrhauses rund 450 000 Euro notwendig. Viel Geld. Deshalb wird sich der künftige Förderverein wohl als eine seiner ersten und wichtigsten Aufgaben vornehmen, Spendengelder für die Sanierung des Gebäudes zu sammeln und versuchen, weitere Geldquellen anzuzapfen. Dabei allein sollte es aber nicht bleiben, meinte Arnulf Kraft vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Er riet dem künftigen Förderverein, sich auch um kulturelle Belange zu kümmern. (Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 18. November 2010

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