BAUEN: Die Klosterkirche im Korsett

Neuruppiner Wahrzeichen wird ab März aufwändig saniert

NEURUPPIN - Im März 2011 beginnt die Sanierung der Neuruppiner Klosterkirche. Zwei Jahre lang werden Bauleute die gröbsten Schäden an den Türmen und am Dach des Neuruppiner Wahrzeichens beseitigen. Auf rund eine Million Euro hat Architekt Stefan Winkler die Kosten geschätzt. Eigentlich wird weit mehr Geld für die Sanierung gebraucht, aber mehr kann die Kirchengemeinde sich zurzeit nicht leisten.

Stefan Winkler gehört zu einem Architekturbüro in Brandenburg an der Havel und betreut die Klosterkirche seit Jahren, inzwischen kennt er das Gebäude in- und auswendig. Und er kennt die Schäden die für Laien kaum zu erkennen sind.

Zum Beispiel die undichten Dächer der beiden Türme. Im Laufe der Zeit sind die alten Nägel derart verrostet, dass in der Dacheindeckung immer wieder Löcher entstehen. Immer wieder regnet es durch. Auf Dauer nimmt das Holz unter dem Schieferdach unweigerlich Schaden. Die Dächer müssen dringend abgedichtet werden, sagt Winkler: "Das wird der erste Bauabschnitt sein."

Besonders teuer und schwierig wird die Turmsanierung schon durch die Baugerüste. Beide Kirchtürme müssen vom Boden bis zur Spitze in 66,92 Meter Höhe eingerüstet werden. Die Baugerüste werden so schwer, dass im Dachbereich des Kirchenschiffs durch die beiden Türme hindurch eine Verbindungsbrücke gebaut werden muss; die muss einen Teil der enormen Last der riesigen Stahlkonstruktion abfangen.

"Wir werden im März beginnen, das Gerüst aufzubauen", sagt Horst Kremp, der als Baufachmann im Gemeindekirchenrat die Sanierung gemeinsam mit Pfarrerin Ilona Kretzschmar betreut. "Das Gerüst ist so aufwändig, das ist schon ein eigenes Bauwerk", sagt Architekt Winkler. Schon die Gerüstarbeiten werden sich über Wochen hinziehen.

Ende 2011 sollen die Türme weitgehend saniert sein. 2012 ist die Holzkonstruktion des Kirchenschiffs an der Reihe. Außerdem sollen die Risse saniert werden, die sich hinter dem Hochaltar durch den Chorraum ziehen. Die deuten darauf hin, dass die Wände das Gewicht des Mauerwerks darüber kaum tragen können. Ein zusätzlicher Anker in der Mauerkrone soll mehr Stabilität bringen. "Wir können nicht die gesamte Hülle sanieren", sagt Winkler. "Dafür reicht das Geld nicht." Die Sanierung beginnt oben und soll später im unteren Teil der Kirche fortgesetzt werden, etwa bei den Fenstern.

Inzwischen ist klar, wie die eine Million Euro zusammenkommen sollen. "Es gibt schon in der Kirche eine Menge Töpfe, von denen wir hoffen, dass sie sich öffnen", sagt Pfarrerin Ilona Kretzschmar. 250 000 Euro hat die badische Landeskirche in Aussicht gestellt. "Das war schon zu DDR-Zeiten unsere Partnerkirche", sagt Horst Kremp. Vom Kirchenkreis und der Landeskirche erhofft sich die Neuruppiner Gemeinde Geld. Und 400 000 Euro könnte die Stadt Neuruppin aus dem Fördertopf für die Stadtsanierung zahlen. Einen Antrag hat die Kirchengemeinde bereits abgegeben.

Am Ende bleiben noch 100 000 Euro, die die Gemeinde mit Unterstützung des Fördervereins selbst aufbringen muss, etwa mit Spenden und Benefizkonzerten. Darüber berät der Gemeindekirchenrat heute Abend. (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 10. November 2010

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