Betteln für die Königin

Kerkow/Schmargendorf (moz) Recht heiser sind die beiden Orgeln in den Kirchen von Schmargendorf und Kerkow. Wenn ihre Stimmen nicht vollends versiegen sollen, müssen sie dringend behandelt werden. Als Retter taucht jetzt die Sparkasse Uckermark auf. Mit einer Lotterie-Ausschüttung hilft sie bei der Genesung.

 
Wenn das Geld für die Sanierung nicht reicht, geht der Freundeskreis betteln: Hannelore Koslowski (l.) und Edeltraud Splettstößer sammeln im Dorf Spenden für die Instandsetzung der alten Sauer-Orgel in Kerkow.
© Oliver Schwers

Schon als Kind bediente Hannelore Koslowski die Holzhebel der Blasebalge in der alten Dorfkirche von Kerkow. Ohne die Ausdauer des Nachwuchses hätten die Organisten gar nicht an den großen Instrumenten spielen können. Das war in den 50er Jahren. Damals hätte niemand auch nur daran zu denken gewagt, dass eines Sonntags kein Orgelspiel zum Gottesdienst mehr erklingen würde.

Heute schweigen die Pfeifen die meiste Zeit. Hannelore Koslowski fährt nach Angermünde zum Gottesdienst. In Kerkow findet er nur wenige Male im Jahr statt. Doch als Mitglied im Freundeskreis der Dorfkirche lässt ihr die heisere Orgel keine Ruhe. Zwar ist das Instrument immer noch bespielbar und wird auch bei Beisetzungen noch genutzt, doch bei größeren Konzerten müssen die Organisten schon einige Mühe aufbringen, um die Reparaturbedürftigkeit zu überspielen.

Der Freundeskreis hat sich in den Kopf gesetzt, die heisere Stimme der 1887 installierten Sauer-Orgel zu behandeln. Sie möge wieder zu Konzerten erklingen und dem Nachwuchs zum Üben dienen, wünscht sich Edeltraud Splettstößer vom Freundeskreis.

Nach einer ersten Untersuchung der Schäden hinterließen namhafte Handwerksbetriebe ihre Kostenvoranschläge. Zwischen 15 000 und 20 000 Euro belaufen sich die Reparaturkosten. Doch in den Kassen des Freundeskreises liegen höchstens noch 6000 Euro. Retter in der Not ist die Sparkasse Uckermark. Sie überlässt den Kerkowern 5000 Euro für die Reinigung und Restaurierung ihrer Orgel. Das Geld stammt aus einer Ausschüttung der hauseigenen Lotterie. Insgesamt zwölf Vereine erhalten aus dem Ertrag des PS-Lotteriesparens unterschiedlich hohe Zuwendungen für gemeinnützige Arbeit und Projekte.

Uwe Korepkat vom Gemeindekirchenrat ist hocherfreut über die Hilfe. Sein Ziel: Die Orgel soll 2011 zum Gottesdienst anlässlich der 775-Jahrfeier von Kerkow wieder erklingen. Bis dahin könnten die Reparaturarbeiten abgeschlossen sein. Das jetzt noch fehlende Geld für die Restauratoren wollen die Mitglieder des Freundeskreises auch noch auftreiben. Mit Konzerten, mit Adventssingen oder dem berühmten Krippenspiel zur Weihnachtszeit. Und mit einer Sammlung im Dorf. Edeltraud Splettstößer und Hannelore Koslowski machen sich demnächst auf die Socken und klingeln an jeder Haustür.

Doch was nutzt eine spielbare Orgel, wenn niemand das Instrument bedient? Diese Frage haben sich die beiden Damen auch gestellt. Sie wollen mit der Musikschule zusammenarbeiten, um den Nachwuchs an die Königin der Instrumente heranzuführen. Im Dorf gibt es bereits Interesse.

Ähnlich sieht das Pfarrer Andreas Lorenz. Auch "seine" Remmler-Orgel im nur wenige Kilometer entfernten Schmargendorf teilt das gleiche Schicksal. Sie befindet sich zwar im Originalzustand, ist jedoch "einfach verwahrlost" und wurde seit Jahrzehnten nicht mehr bespielt. Die vergleichsweise geringen 9000 Euro Gesamtkosten werden ebenfalls durch die Sparkasse Uckermark mit 2600 Euro unterstützt. Zuvor gab es bereits Benefizkonzerte und Spenden. Bei Sterbefällen hatten Familienangehörige auf Kränze verzichtet und dafür Geld zugunsten der Orgelsanierung übergeben.

Noch in dieser Woche bauen Fachleute das arg verschmutzte Instrument auseinander, ersetzen Lederteile. "Es ist alles noch da", berichtet der Pfarrer. Wenn die Orgel wieder erklingt, soll es künftig auch Konzerte im Rahmen des uckermärkischen Orgelfrühlings geben.

Die erstmals in diesem Jahr mit Hilfe der Sparkasse gestartete Konzertreihe will nicht nur solche und ähnliche Instandsetzungen vorantreiben, sondern vor allem eine dauerhafte Nutzung in den Kirchen sichern.

Märkische Oderzeitung vom 27. Oktober 2010

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