Mauern der Marienkirche trockengelegt

Wriezen (moz) Die Sanierung der Marienkirche in Wriezen läuft auf Hochtouren. Schwerpunkt ist derzeit die Außenisolierung der Grundmauern. Verzögerungen gab es durch das wochenlange Regenwetter. Im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten in der Höhe. Später soll ein Dach aufgesetzt werden.

 
© MOZ/Sabine Steinbeiß

Ein Helfer schippt feinen Sand in die Schubkarre. Thomas Ziegler verteilt ihn am Mauerwerk der evangelischen Stadtpfarrkirche. Dort wo vor einigen Wochen noch ein tiefer Graben ausgehoben war, wird jetzt schon wieder verfüllt. "Die Außenmauern sind isoliert worden", erklärt Architekt Rainhardt Pavlitschek. Dass heißt, kaputte Steine wurden per Hand ausgetauscht und neu verfugt, dann bekam das Gemäuer einen Schutz durch Kalkmörtelputz. Anschließend brachten die Abdichter eine Trennschicht in Form einer braunen, genoppten Folie an, ehe jetzt wieder zugeschippt wird. Demnächst werden die Pflastersteine neu verlegt.

"Wir sind leider ein wenig im Rückstand", sagt Friedhelm Zapf, der ehemalige Landrat des Altkreises Bad Freienwalde. Bei ihm laufen die Fäden für die Sanierung der Marienkirche zusammen. "Ich habe damals bei der Rettung der Kirche in Frankenfelde mitgewirkt. Deshalb hat mich der Förderverein angesprochen, ob ich in Wriezen mithelfen kann", erklärt er. Ein Grund für den Zeitverzug ist das nasse Wetter der vergangenen Wochen. Hinzu kommen erheb­liche Schäden im Mauerwerk des historischen Gebäudes.

Die Marienkirche ist heute das älteste Bauwerk der Stadt Wriezen. Die erste urkundliche Erwähnung war 1247, noch vor dem verliehenen Stadtrecht aus dem Jahre 1337. Die imposante Kirche wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 zerstört. Das Südschiff wurde 1951 teilweise auf- beziehungsweise ausgebaut, Anfang des Jahrtausends der Kirchturm saniert.

Weil die Schäden so groß sind, werden derzeit etliche Tausend Formziegel neu hergestellt. "Das geschieht in Handarbeit", erklärt der Architekt. Im nächsten Monat soll die erste Lieferung in der Oderbruchstadt eintreffen. Dann können auch die vielen Gesteinslücken im Sockelbereich verfüllt werden, die derzeit durch Provisorien gehalten werden.

Insgesamt zehn unterschiedliche Formziegel werden für die Sanierung der Marienkirche benötigt. Für das Sichtmauerwerk brauche man beispielsweise andere als für die dahinter liegenden Mauern, erklärt Rainhardt Pavlitschek. Hinzu kämen Sonderanfertigungen für Fenstereinfassungen oder den Sims. Diese Arbeiten beginnen jedoch erst im nächsten Jahr. Der Schwerpunkt liegt derzeit im unteren Teil der Kirchenmauern. "Den Sockel werden wir in diesem Jahr nicht mehr schaffen", sagt Friedhelm Zapf.

Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, dann geht es in die Höhe. Auch dort werden kaputte Steine ausgetauscht und die Fugen neu verfüllt. "Wichtig ist, dass die Statik stimmt", erklärt der Architekt. Denn nach Abschluss der zweijährigen Sanierungsarbeiten Ende 2011 soll noch lange nicht Schluss sein.

Das große Ziel des Fördervereins Marienkirche ist ein Dach. Der Wettbewerb hat schon stattgefunden. Gewinner ist das Planungsbüro Pro3 aus Seelow. Der Entwurf sieht einen multifunktionellen Raum vor, in dem nicht nur Gottesdienste, sondern auch Konzerte, Lesungen oder Theateraufführungen stattfinden können. Die Architekten haben dafür einen lichtdurchfluteten Raum entworfen, der 239 Sitzplätze bietet. Er wird durch eine Wand thermisch von der restlichen Ruine abgeschlossen. Im Südflügel entsteht eine Winterkirche, auch die Gemeinderäume werden dort wieder untergebracht.

Doch ehe es so weit ist, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Der größte Wunsch aller Beteiligten wäre, wenn nach Abschluss der zweijährigen Sicherungsarbeiten gleich am Dach weitergearbeitet werden könnte. Doch dazu müssen die Eigenanteile für Fördermittel und eventuelle Vorfinanzierungen gesichert werden. Und das ist ein Knackpunkt. "Wir benötigen daher weiterhin viele Spenden, egal ob es eine kleine oder eine größere Summe ist", betont Friedhelm Zapf.

Der Förderverein unterhält ein Spendenkonto bei der Raiffeisenbank Wriezen, Konto-Nr. 4346653, BLZ 17092404, Stichwort: Marienkirche.

Märkische Oderzeitung vom 27. Oktober 2010

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