DENKMALSCHUTZ: Es braucht einen langen Atem

Förderkreis Alte Kirchen unterstützt die Selbelanger Kirchenretter mit neuerlicher Spende

 
Wieder ist eine kleine Etappe geschafft.
Foto: Andreas Kaatz

SELBELANG - Erich Wallbaum steigt die schmale Treppe von der Orgelempore in den Dachstuhl des Gotteshauses hinauf. Ein Weg, den der Vorsitzende des Fördervereins Dorfkirche Selbelang schon oft gegangen ist, gehen musste. Denn dort lag der Hund begraben. Dort hatte Holzfäule den Enden der Deckenbalken und Sparren so stark zugesetzt, dass die Stabilität des Gebäudes darunter litt. Zahlreiche Risse im Mauerwerk belegten das.

Doch nun ist Erich Wallbaum schon um einige Sorgen erleichtert. "Die Zimmerleute haben ihre Arbeit bereits beendet", sagt er und zeigt auf jene Stellen, an denen neue Hölzer das marode Material ersetzt haben. Diese Arbeiten sind Teil des zweiten Bauabschnitts, in dem das Dach überm Kirchenschiff und auch die Lehmdecke erneuert werden. Seit August sind die Handwerker der Friesacker Firma Baudenkmalpflege Gottschalk dort zugange. Derzeit mauern sie das Traufgesims auf.

Ohne die vielen Geldgeber wäre an die Rettung der Selbelanger Kirche trotz des großen Engagements, das ihr Förderverein an den Tag legt, nicht zu denken. Zu den Spendern zählt auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Dessen Vertreter übergaben jetzt erneut eine Spende von 2500 Euro. Arnulf Kraft, Vorsitzender der Stiftung des seit 1990 bestehenden Förderkreises, erinnerte an die Anfänge der Selbelanger Kirchenrettung: Im Frühjahr 2005 gründeten die Selbelanger zu diesem Zwecke ihren "Rettungsverein". "Ich hatte damals gesagt: Üben Sie sich in Geduld, bewahren Sie sich einen langen Atem", erinnerte Kraft an jenen Tag. Erfahrungsgemäß dauere es ein halbes Jahrzehnt, bis man zum Erfolg komme.

Nach der Anschubfinanzierung von 2500 Euro habe man nun erneut Geld aus Zinserträgen zur Verfügung stellen können, sagte Arnulf Kraft. Angesichts der Gesamtkosten für den zweiten Bauabschnitt von rund 77 000 Euro sei dies nicht viel Geld, aber die Stiftung bestehe auch erst seit 2008. Darum verfüge sie gerademal über ein Grundkapital von rund 130 000 Euro.

Noch 2010 soll der zweite Bauabschnitt an der Selbelanger Dorfkirche vollendet werden. Bereits im Vorjahr konnten Mauerwerk, Dachstuhl und Fundament des Chores saniert werden. Rund 68 000 Euro wurden dafür aufgewendet. Viele Spender leisteten ihren Beitrag unter anderem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Selbelanger Kirchengemeinde, der Kirchenkreis Nauen-Rathenow, die Landeskirche, die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler, die Kommune Selbelang und natürlich der Förderverein.

"Es ist jetzt ein guter Stand erreicht", sagt Erich Wallbaum. Zufrieden sei er aber noch nicht, denn es ist noch viel zu tun an der Kirche. So muss am Mittelstück auch noch das Mauerwerk saniert sowie das Fundament trockengelegt werden. Die Finanzierung dafür ist noch offen. Zudem wartet der Turm auf eine Generalüberholung von Dach, Dachhaut und Mauerwerk. Und schließlich soll auch die Orgel wieder stimmige Klänge von sich geben. "Dieses Ziel liegt aber noch in weiter Ferne", sagt Wallbaum mit Blick auf die Finanzen. (Von Andreas Kaatz)

Förderkreis Alte Kirchen

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg besteht seit 1990 und setzt sich für die Erhaltung und Nutzung von Kirchenbauten ein, sammelt Spenden und reicht sie weiter.
Bisher unterstützt hat der Förderkreis mehr als 155 Kirchen mit insgesamt 667 851 Euro. Das Geld wird in der Regel als Kofinanzierung verwendet.
Seit 2001 vergibt der Förderkreis jährlich fünf Mal 2500 Euro als Startkapital an neu gegründete lokale Kirchen-Fördervereine.
Zu Beginn des Jahres 2010 hatte der Förderkreis 474 Mitglieder, darunter 95 Vereine, 13 Kirchengemeinden und -kreise sowie sieben Firmen. Er arbeitet mit mehr als 250 lokalen Fördervereinen in Brandenburg zusammen und kürt seit 2002 die Dorfkirche des Monats. Ak

Märkische Allgemeine vom 18. Oktober 2010

   Zur Artikelübersicht