Kräutergarten wertet Gotteshaus auf

Prädikow (moz) Schüler aus Bad Freienwalde, Seelow und dem polnischen Bogdaniec (Dühringshof) haben im Rahmen eines Jugendworkcamps innerhalb von einer Woche einen Kräutergarten an der Kirche von Prädikow angelegt. Am 9. Oktober präsentierten sie das Ergebnis der Öffentlichkeit.

 
Geschafft: Gerhard Grundemann (3. v. r.) vom Christlichen Jugenddorf Seelow führt Besucher durch den Kräutergarten an der Prädikower Kirche.
Foto: MOZ/Steffen Göttmann

"Der Förderverein Dorfkirche Prädikow hatte einen Traum", sagte dessen Vorsitzende Simona Koß bei der Eröffnungsveranstaltung in der Kirche. Vor allem junge Leute sollten das Gebäude für sich in Anspruch nehmen und neu gestalten. So kam der Wunsch auf, an der Kirche einen Kräutergarten nach Vorbild von Hildegard von Bingen anzulegen und damit auch der Kirchengemeinde zu helfen. "Unser Traum schien schon vor vier Wochen in Erfüllung zu gehen", berichtete Simona Koß, Die Euroregion Viadrina bewilligte knapp 13 000 Euro Fördermittel für das Projekt.

"Doch dann türmte sich ein Felsbrocken auf, weil wir keine deutschen Jugendlichen fanden, die mitarbeiten wollten", so die Vereinsvorsitzende. Schließlich gelang es den Prädikowern diese Lücke mit 13 Schülern der zehnten Klasse der Albert-Schweitzer-Schule in Bad Freienwalde sowie sieben Jugendlichen der "Berufsvorbereitung Gartenlandschaftsbau-Reha" des Christlichen Jugenddorfs (CJD) Seelow zu schließen.

Obwohl schon alles in Sack und Tüten schien, drohte das Projekt vor einer Woche zu scheitern, berichtete Simona Koß. Der Förderverein hatte im Dschungel der Anträge die denkmalschutzrechtliche Genehmigung übersehen. Das Problem sei gewesen, dass der Kräutergarten direkt an der Kirche entstehen sollte. Die Dorfkirche von Prädikow ist als eine von nur drei Basiliken in der Region denkmalschutzrechtlich besonders wertvoll. Weiter gibt es nur noch in Falkenhagen und Hohenfinow. Zwar ist die Prädikower Kirche die kleinste, aber dafür die älteste des Trios. Sie wurde zwischen 1255 und 1270 gebaut.

"Nach Nächte langen Diskussionen ist es uns gelungen, das Projekt genehmigungspflichtig zu gestalten", so Simona Koß. Vergangenen Dienstag sei die Genehmigung erteilt worden.

Wegen der Verzögerungen mussten die Jugendlichen den Rest der Woche hart schuften. "Wir mussten zunächst Unkraut jäten und Steine sammeln", erzählte Martin Schulz, Zehntklässler der Schweitzer-Schule. Die Schüler waren in zwei Gruppen aufgeteilt, berichtete Schulleiterin Gudrun Berntsen. Das eine Team hatte sich zur Gartenarbeit verpflichtet, das zweite Team beschäftigte sich mit der Dokumentation. "Wir beschrifteten die Schilder und Tafeln", erzählte der Schüler Henry Seeger. Jeden Tag stand zudem Polnischunterricht auf dem Programm. Das Erlernte wendeten die Schüler an, um sich mit den neun Schülern des Gymnasiums von Bogdaniec zu verständigen. Untergebracht waren die Schüler im Schloss Trebnitz

Gerhard Grundemann vom CJD Seelow übernahm den fachlichen Teil. Als Lehrer im Bereich Gartenlandschaftsbau ist er geradezu prädestiniert. "Wir haben das Gelände mit 20 Kubikmeter Muttererde aufgefüllt, um dem Kräutergarten eine Form zugeben", berichtete er. Die Arbeit ging ausschließlich manuell mit Schubkarren und Schippen über die Bühne. Jugendliche, Lehrer, Betreuer aus beiden Ländern und Leute aus dem Dorf packten mit an. "Als Gestaltungselemente zwischen den Beeten nahmen wir Biberschwänze und Schieferplatten", so Grundemann. Die sehen besser aus als Plastikbegrenzungen aus dem Baumarkt, stellte er fest. Die Kräuter wie Fingerhut, Thymian, Ringelblume, Johanniskraut entnahm er aus dem Lehrgarten des CJD. Die Wege wurden mit Rindenmulch markiert.

Märkische Oderzeitung vom 11. Oktober 2010

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