JUBILÄUM: Geburtstag einer Kirche

Teetzer hatten am Wochenende gleich zweimal Grund zum Feiern / Gestern Orgelweihe

 
Das Teetzer Gotteshaus wurde heute vor 150 Jahren geweiht.
Foto: Hörmann

TEETZ - Dieser 9. Oktober ist für das kleine Teetz wert, von Chronisten festgehalten zu werden. Im heutigen Ortsteil von Kyritz war es am Sonnabend fast auf den Tag genau 150 Jahre her, dass die Kirche eingeweiht wurde. Eine Festveranstaltung erinnerte daran. Dieses Jubiläum konnte allerdings nur begangen werden, weil sich 1999 Frauen und Männer zusammentaten, die den jämmerlichen Zustand des Gotteshauses nicht mehr mit ansehen wollten. Der Förderverein Dorfkirche Teetz wurde gegründet. Auslöser war damals der Abtransport der wertvollen Orgel, die Friedrich Hermann Lütkemüller 1860/61 erbaute und die der Teetzer Kirche über Jahrzehnte zur Ehre gereichte. Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts drohte sie mit der Kirche zu sterben. Das verhinderte ein Verkauf an die Stiftung Stadtmuseum Berlin. Dieser Eigentümerwechsel nahm zwar den Teetzern ein wertvolles Instrument, sicherte dem aber eine grundlegende Restaurierung in der Karl-Schuke-Orgelbauwerkstatt, um danach in der Berliner Nikolaikirche bei Konzerten zu erklingen. Als die Nikolaikirche selber erneuert werden sollte, stand wieder eine Auslagerung an. Mittlerweile hatte die evangelische Kirchengemeinde Teetz Interesse bekundet, das Instrument an dem alten Standort wieder aufzustellen. Das gelang. So kam es, dass die Teetzer Orgel am Sonnabend in der restlos besetzten Teetzer Kirche zum erstenmal nach langer Abwesenheit kraftvoll ertönen konnte.

An das Auf und Ab des vergangenen Jahrzehnts hatte zu Beginn der Festveranstaltung Dieter Kliche erinnert. Er ist Begründer und Vorsitzender des Fördervereins. Kliche sah guten Grund, sehr vielen dafür zu danken, dass sie sich erfolgreich für den Erhalt der Kirche im Dorf eingesetzt hatten. Dazu zählen in vorderer Linie Mitglieder des Vereins wie Arno Schmidt, Erika Böldt, Andreas Großmann, Kerstin Lindemann, Jochen Helms, Monika Kühn und Petra Bernhardt. Dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wollte der Redner ebenso Dank sagen, wie Firmen und Menschen aus der Region, vornean die Ökohöfe Schönberg und die Familie von Reinhard Hübner.

Das Gotteshaus steht mittlerweile stabil, wenngleich noch sehr viel Arbeit zu leisten sein wird. Es werde in den kommenden Jahrzehnten nur dann Bestand haben, wenn es Menschen für die Pflege ihres christlichen Glaubens nutzen. Daran erinnerte Pfarrer Berthold Schirge. Er versuchte sich auch als Visionär, als er davon sprach, dass es irgendwann vielleicht sogar wieder den kompletten Kirchturm geben würde. Einst 36 Meter hoch, musste er nach Blitzschlag und Brand in den 1970er Jahren auf 25 Meter Höhe verkürzt werden.

Wichtiger als diese "Aufstockung" ist den Teetzern jetzt aber erst einmal das Näherliegende. Das ist die Farbgebung im Innern. Danach soll der spätgotische Schnitzaltar aus dem 16. Jahrhundert, der sich gegenwärtig in der Nachbargemeinde Königsberg befindet, heimkehren in die Kirche Teetz so, wie es jüngst die Lütkemüller-Orgel tat.

Sie wurde gestern mit einem festlichen Gottesdienst geweiht. Dazu kündigte Dieter Kliche schon am Vortag den Marzahner Kammerchor unter Leitung von Michael Uhl an. (Von Wolfgang Hörmann)

Märkische Allgemeine vom 11. Oktober 2010

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