Feierliche Bekrönung der Bad Liebenwerdaer St. Nikolai-Kirche

BAD LIEBENWERDA Der Kirchturm der Bad Liebenwerdaer St. Nikolai-Kirche hat seit Dienstag dieser Woche eine neue Kugel samt Kreuz. In einer feierlichen Krönungszeremonie zunächst in der Kirche und dann auf dem Kirchturm in 54 Metern Höhe ist der vorläufige Schlusspunkt der Sanierungsarbeiten gesetzt worden.

 
 
Die Gerüstbauer bauten nach der Bekrönung sofort ab.

Dabei ist das gewichtige Ereignis durch die aktuellen Hochwasserentwicklungen an der Schwarzen Elster in der Berichterstattung sogar ein wenig ins Hintertreffen geraten. Just in dem Moment, als am 28. September um 19.08 Uhr das Kreuz aufgesetzt wurde, ertönten die Sirenen. Sie riefen Kameraden der Bad Liebenwerdaer Feuerwehr und aus den Ortsteilen zum Hochwassereinsatz an die Schwarze Elster bei Saathain. Das war der Beginn der Schutzmaßnahmen, die immer noch andauern. Dass im Zuge der Sanierung der Kirche - der Turm ist nach seiner letzten Reparatur im Jahr 1977 komplett neu mit Schieferplatten belegt worden - auch Kugel und Kreuz sowie Ziffern und Zeiger der Kirchturmuhr erneuert werden konnten, ist einem Bad Liebenwerdaer Gönner, der nicht genannt werden möchte, zu verdanken. Der hat 10 000 Euro gespendet.

Die Kugel ist jetzt eine Kombination aus alt und neu. Weil das ursprüngliche Vorhaben, jene Kugel aufzuarbeiten, die bis 1977 den Turm zierte, nicht ganz gelang - ein Teil war nicht mehr zu erhalten - ist nun das Unterteil das von 1898 und das Oberteil ein ganz Neues aus 1,5 Millimeter Kupferblech. Dass die weitaus ältere Kugelhälfte nach unten gekommen ist, hat übrigens auch einen Grund, einen optischen: Die 600-Millimeter-Durchmesser große Schale ist noch handgetrieben. Beide Seiten sind mit Doppeldukatengold, 23,75 Karat, überzogen. Der feierliche Akt auf dem Kirchturm, dem neben Pfarrer Thomas Meißner unter anderem Bürgermeister Thomas Richter (CDU), der Abgeordnete Wilfried Hopstock (CDU), Bauunternehmer Werner Jost und Bauleiter Kai Misera vom projektbegleitenden Architekturbüro Angelis & Partner beiwohnten, war von handwerklicher Arbeit geprägt. Thomas Müller von der Metalldrückerei Christoph Müller aus Wurzen war die Ruhe selbst, als er die vom Pfarrer mit zwei Schatullen gefüllte Kugel mit seinem Mitarbeiter Jens Lochmann und der Praktikantin Beate Koch unter den Klängen des Posaunenchores den Schaft hinunter gleiten ließ. Dann sprühten noch einmal Funken, als mittels Trennschleifer die Endhöhe des Schaftes zur Aufnahme des komplett neu angefertigten Kreuzes hergestellt wurde. Inzwischen war es schon dunkel und zahlreichen Schaulustigen auf dem Marktplatz die Zeremonie zu lang geworden. Sie sahen von unten auch nichts mehr. Das Kreuz saß beim ersten Mal und so konnte die schützende Watte von Kugel und Kreuz entfernt werden. Exakt um 19.16 Uhr funkelten beide Elemente im Licht des Baustrahlers.

Die letzten Handgriffe aber leisteten die Gerüstbauer. Sie bauten die Rüstung soweit zurück, dass keiner mehr an Kreuz und Kugel gelangen konnte. Denn, so Thomas Müller, "es hat schon Diebstähle nach Bekrönungen gegeben."

Lausitzer Rundschau vom 01. Oktober 2010

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