KIRCHE: Kleiner Verein ganz groß

Das Gröbener Gotteshaus hat Sanitärzelle, Heizung und sehr viel Lesestoff in der Geschichtsstube

GRÖBEN - Wer im Gotteshaus fotografieren möchte, sollte einen hellen Tag wählen. In der Gröbener Kirche ist es dunkel. Auch wegen der bunten Bleiglasfenster und der Ausmalung. Die aber bewirken eine geheimnisvolle Atmosphäre. Die wird von der Sage um den Trommler aus Gröben noch verstärkt. Wer sie gelesen hat, weiß auch, was es mit den drei Figuren vor der Kirche auf sich hat. Dort verwittern eine Katze, ein Trommler und ein Leutnant aus Holz. "Vielleicht war das Holz zu frisch. Der Holzbildhauer wohnt nicht mehr im Ort", sagt Bernd Lehmann, der sich um die Grünpflege kümmert.

In der Kirche, die täglich von 9 Uhr bis Sonnenuntergang offen steht, ist noch sehr viel mehr Lektüre. So viel, dass in der Sakristei eine Lese- und Geschichtsstube eingerichtet worden ist.

Dass es so viel zu entdecken gibt, dafür sorgt ein kleiner Verein. "Wir sind sieben Mitglieder und mehr als erfolgreich", sagt Wilfried Thielicke. Der Vorsitzende des Fördervereins für die alte Dorfkirche ist ganz stolz darauf, dass "meine Familie als eine der ersten im Kirchenbuch verzeichnet ist". Die Einträge in dem Schatz der Mark Brandenburg beginnen 1578. "Da wurde noch im katholischen Glauben getauft", so Thielicke, 1991 erster frei gewählter Bürgermeister von Gröben und heute stellvertretender Bürgermeister von Ludwigsfelde.

Dass der Verein überhaupt gegründet wurde, hat indes ein Ortsfremder auf dem Gewissen. Sanitärgroßhändler Günter Lindenblatt und seine Lebensgefährtin Ingrid Böhnlein, die inzwischen Schatzmeisterin im Verein ist, sanierten gegenüber dem Gotteshaus in Gröben einen Bauernhof. Der ist inzwischen ein Schmuckstück. Da wollte Lindenblatt wohl auch eine hübsch anzusehende Kirche vor seiner Haustür. "Zum 60. Geburtstag bat er um Spenden für die Fenstersanierung. Das war der Auslöser zur Vereinsgründung", berichtet der Vorsitzende. Immerhin kamen 1999 mehr als 50 000 Mark zusammen, die Lindenblatt, der damit zum Glückskleeblatt der Kirche wurde, aufrundete.

Um Mittel bei der Kulturstiftung der Sparkasse und anderen Sponsoren abzufassen, erfolgte 2000 die Gründungsversammlung des Vereins, den inzwischen auch Handwerksbetriebe der Region unterstützt haben. "Zum 65. und 70. Geburtstag hat Herr Lindenblatt die Aktion wiederholt", freut sich Thielicke, der zu Beginn Schatzmeister im Verein war.

Inzwischen ist sehr viel mehr saniert worden: 2006 das Dach samt Dachstuhl und Turmspitze. Zu der Zeit war die Toilette schon fertig. Die wiederum ermöglicht mehr Veranstaltungen. "Vorher gingen die Leute ins alte Pfarrhaus. Das war kein Zustand", so Thielicke.

Die beiden Frauen im Pfarrhaus, Elisabeth Zahn und ihre Mutter Hildegard Wetzel, schließen die Kirche morgens auf und abends ab. Sie haben auch den Schlüssel zum Turm. "Der Glockenturm ist voller Monogramme von deutschen Kriegsgefangenen", berichtet der Vereinschef, der mit seiner Familie meistens links in der Kirche sitzt. Dabei gehörte die dritte Bankreihe vorn rechts seiner Familie. "Meine Großmutter hat sehr darauf geachtet, dass sich da kein anderer hinsetzt", sagt Thielicke.

Er und die Vereinsmitglieder achten jetzt darauf, dass in der Kirche genug Infomaterial liegt. So ist das alte Kirchenbuch, das schon Fontane fasziniert hat, in eine heute lesbare Fassung übertragen und gedruckt worden. Es erfreut nun die Besucher, die nach Belieben darin blättern können.

Die Texte über den Neubau der Kirche brauchte hingegen niemand zu übersetzen. Sie wurden bereits mit Maschine geschrieben. 1908 brannte das alte Gotteshaus genau am Heiligabend um 15 Uhr bis auf die Grundmauern des 1508 geweihten Gotteshauses aus. Zur Erinnerung läuten jedes Jahr die Glocken um diese Zeit. In der Lesestube ist versehentlich vom 24. September die Rede.

Architekt Franz Heinrich Schwechten, der den Entwurf der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche lieferte, entwarf den Umbau in Gröben. Blickfänger sind die Putzmaltechnik und das Butzenglas. Zur Einweihung der neuen Kirche in Gröben im Februar 1910 stiftete Kaiserin Auguste Victoria eine Altarbibel mit Metallbeschlägen.

Seit einem Jahr haben es auch Frostbeulen besser, wenn sie Veranstaltungen im Winter besuchen. 2009 wurde die Heizung in Betrieb genommen. "Zu 100 Prozent vom Förderverein bezahlt", betont Wilfried Thielicke. (Von Gertraud Behrendt)

Märkische Allgemeine vom 30. September 2010

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