SANIERUNG: Überraschungen im Gebälk

Bis zum Wintereinbruch soll das Dach der Kirche in Golm fertig sein

POTSDAM / GOLM - Die guten Nachrichten waren mit schlechten versetzt. Als gestern der Baustart für das Dach der Kirche Golm begangen wurde, musste der engagierte Kirchbauverein konstatieren, dass etliche Überraschungen den Beginn verzögert hatten. Nachdem es im April großzügig bemessene Finanzspritzen vom Land und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für die mit rund 256 000 Euro veranschlagte Restaurierung gegeben hatte, fand man bei den ersten Arbeiten Hausschwamm. Auch mit den insgesamt zehn Tonnen Bauschutt über dem Gewölbe hatte niemand so recht gerechnet. Als ob das noch nicht gereicht hätte, hatte ein Handwerker plötzlich eine noch scharfe Panzergranate aus dem Zweiten Weltkrieg auf seiner Schippe von einer anderen, nicht mehr gefährlichen, hatte man bereits zuvor gewusst. Die Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigung schafften die beiden Überbleibsel beiseite.

Rund vier Wochen liegt man nun also hinter dem Zeitplan zurück. Dabei sollen die Arbeiter vorsichtshalber nur mit Mundschutz und nur drei Stunden hintereinander zu Werke gehen, weil zu DDR-Zeiten wahrscheinlich das giftige Insektizid DDT im Dachstuhl versprüht wurde. "Wie sehr das die Kosten in die Höhe treibt, wissen wir noch nicht", sagte der Vorsitzende des Kirchbauvereins, Marcus Wewer. "Wir müssen auf jeden Fall nochmal einen Zahn zulegen." Denn es drängt die Zeit: Bis zum Wintereinbruch müssen die neuen Ziegel unbedingt auf dem Dach sein.

Aber es gab auch Grund zur Freude. Der Standortmanager des Wissenschaftsparkes Golm, Friedrich Winskowski, übergab im Namen der Gesellschaft 100 Euro für drei neue Ziegel. Franz-Friedrich Prinz von Preußen war als offizieller Vertreter des Hauses Hohenzollern bei der Enthüllung des Bauschildes dabei und nutzte ebenfalls die Gelegenheit, dem Projekt etwas Geld zukommen zu lassen. Beide Männer unterstützen auf diese Weise eine Aktion des Kirchbauvereins. Unter dem Motto "Dem Himmel ein Stück näher" können Interessierte entweder 25 Euro für einen roten oder 50 Euro für einen grünen Ziegel ausgeben. In diesen Farben war das Dach des Gotteshaus nämlich ursprünglich gedeckt. Die grünen Ziegel sind teurer, weil es weniger von ihnen auf dem fertigen Dach geben wird. "Bisher haben rund 200 Bürger einen Ziegel gekauft und sich auf ihm verewigt", sagte Wewer. Sogar eine ehemalige Golmerin, die mittlerweile aber in England lebt, hat von der Aktion erfahren und gespendet. Der Clou: Jeder Spender darf sich auf dem Ziegel "verewigen". Dabei sind bereits viele kreative Inschriften entstanden. Die nächste Gelegenheit, einen Ziegel zu kaufen und zu signieren, soll am 3. Oktober zum Erntedankfest bestehen. Spätestens am Reformationstag soll dann aber endgültig Schluss sein. (Von Sebastian Scholze)

Märkische Allgemeine vom 25. September 2010

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