DENKMALTAG: Zeitzeugen in Engelsgestalt

In der Patronatskirche Schulzendorf geht es um göttliche Sensationen, die man erhalten will

SCHULZENDORF - Man möchte fast meinen, es ist göttlich, dass morgen zwei Engel beim Tag des offenen Denkmals in der Patronatskirche von Schulzendorf die Hauptrolle spielen. Zum einen ist es der Taufengel, der einst hier von der Decke herab gelassen wurde, wenn ein Kind getauft wurde. Zum anderen sind es die Engel, die mit hoher Wahrscheinlichkeit so wurde jetzt bekannt der Kirchenmaler Robert Sandfort gemalt hat. In der Zeit von 10 bis 18 Uhr werden Heidi Burmeister vom Verein für die Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers und Annette Schulz, Restauratorin, über die Schätze dieser ehemaligen Kirche Auskunft geben. Schulz restaurierte erst kürzlich die Kirche in Heiligensee. Auch hier war zu Beginn des letzten Jahrhunderts Robert Sandfort am Werk. "Sie ist sozusagen die Spezialistin schlechthin, wenn es um den Kirchenmaler Sandfort geht", sagt Heidi Burmeister.

Sandfort wurde 1880 in Kettwig an der Ruhr bei Essen geboren. Sein Handwerk erlernte er im Malergeschäft seines Vaters. Später arbeitete er in einer Düsseldorfer Firma und studierte an der Kunstgewerbeschule. 1906 gründete Sandfort sein eigenes Atelier in Berlin. Die Ausmalungen in der Patronatskirche müssen zu den frühen Werken des Künstlers gehören. Auch wenn inzwischen quasi erwiesen ist, dass die Wandmalereien von Sandfort stammen, so fehle bis heute der eindeutige Nachweis. "Da Sandfort in seinem Atelier zwischen fünf und 15 Mitarbeiter beschäftigte und die Ausmalungen mit ortsansässigen Kirchenmalern ausführte, gestaltet sich der direkte Nachweis schwierig", so Heidi Burmeister. Mit Hilfe von vergleichenden Fotos mit Malereien in der Patronatskirche und in anderen Kirchen rund um Berlin, sei der Nachweis aber faktisch erbracht.

Der etwa 1,15 Meter große Taufengel von 1698 liegt heute im Archiv des Märkischen Museums in Berlin. Er ist stark beschädigt Arme, Unterschenkel, Flügel, Nase und Mund sind verloren. Von den ursprünglichen Bemalung sind nur wenige Reste erhalten. "Wir möchten gern, dass der Taufengel zurück kehrt in die Patronatskirche", sagt Heidi Burmeister. Im Verein sei man sich einig, ihn dann auf Kosten der Vereinskasse zu konservieren. Er würde wunderbar in den Raum passen und ein weiterer Zeuge der Geschichte dieses Hauses sein. "Natürlich wollen wir so viele Menschen wie möglich ansprechen, uns dabei zu unterstützen", erklärt die Vereins-Pressesprecherin. Der Tag des offenen Denkmals eigne sich dafür prima, weil dann auch diejenigen Leute die Denkmale besuchen, die für die Geschichte und die Erhaltung der "Zeitzeugen" ebenso offen sind, wie die Denkmale für sie an diesem Tag geöffnet sind. (Von Andrea Müller)

Märkische Allgemeine vom 11. September 2010

   Zur Artikelübersicht