Bürokratie behindert Turmsanierung in Gubin

GUBEN Die Sanierung des Turms der einstigen Gubener Stadt- und Hauptkirche im heutigen Gubin soll auf alle Fälle noch in diesem Jahr beginnen. Das hat Günter Quiel vom Förderverein für den Wiederaufbau der Kirche bekräftigt. Quiel machte aber zugleich auf aktuelle Probleme aufmerksam.

 
Zum Guben-Gubiner Frühlingsfest im kommenden Jahr soll der Turm der einstigen Gubener Stadt- und Hauptkirche wieder begehbar sein.
Foto: Barbara Remus

Bereits im März hatte der deutsch-polnische Begleitausschuss die Fördermittel für die Turmsanierung bestätigt. Damals hatte der Förderverein mit einem Baubeginn im Sommer geliebäugelt. Inzwischen ist klar, dass sich der Start verzögert. Laut Quiel liegt das an zahlreichen bürokratischen Hürden. Er habe bisher nur die Bürokratie in Deutschland gekannt, aber auf polnischer Seite sei die Situation mindestens genauso kompliziert. "Da brauchst du hier noch einen Stempel und da eine Unterschrift." Gegenwärtig sei man dabei, Detailfragen zu klären. "Dabei setzen wir auf die Unterstützung des Technischen Sekretariats in Zielona Gora."

Zu den noch ungelösten Fragen gehöre beispielsweise die der Betriebskosten, aber auch die der Gehälter der Mitarbeiter der Bauhütte. Zudem müssten die Antragsteller vor der Freigabe der Fördergelder in Vorkasse gehen. Dies sei aber gesichert, sagte Quiel.Trotz der Verzögerung halten der Verein und die Gubiner Stiftung an dem Ziel fest, dass der Turm schon zum Frühlingsfest im kommenden Jahr besteigbar ist. "Das Projekt steht ja. Es kann sofort losgehen, wenn das Geld da ist. Man kann das in acht Monaten hinkriegen", sagte Quiel. Er sei optimistisch, dass die Gelder in den kommenden vier Wochen fließen.

Das Projekt selbst sieht inzwischen statt einer hölzernen eine Wendeltreppe aus Metall vor. Sechs Zwischenräume sollen entstehen, in denen die Themen Stadtgeschichte und Gubener Wein dargestellt werden. Zum Thema Wein werde es Bleiglasfenster mit entsprechenden Motiven geben. Auch die gemeinsame Stadtentwicklung soll in einem Zwischenraum präsentiert werden. Dazu erhofften sich die Verantwortlichen Anregungen von drei Stadtforen, die in den kommenden Monaten stattfinden sollen.

Ein nicht unwichtiger Aspekt sei, dass sich Förderverein und Stiftung durch die Eintrittsgelder Einnahmen für weitere Vorhaben erhoffen.

Was die Bauhütte betreffe, sollen dort ein Projekt- und ein Kulturmanager angestellt werden. Für den Projektmanager, der für das eigentliche Bauvorhaben zuständig sein werde, gebe es drei Bewerber. Beim Kulturmanager habe die Auswahljury sogar schon eine Entscheidung gefällt. Hauptaufgabe der Frau werde es sein, die Kirche noch bekannter zu machen, auch über die Grenzen der Region hinaus.

Für das dritte Vorhaben, das mit Hilfe von Fördergeldern finanziert werden soll, den Architekturwettbewerb, der die Gestaltung des Kirchenschiffes zum Inhalt haben wird, schwebt Quiel eine Zusammenarbeit mit Universitäten der Umgebung vor. "Ein wichtiger Aspekt wird sein, dass es sich um eine energetisch gute Lösung handelt", so Quiel.

Von Thomas Engelhardt

Lausitzer Rundschau vom 27. August 2010

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