Kirchturm-Projekt gerät ins Wanken

HERMSDORF Der Wiederaufbau des Hermsdorfer Kirchturmes ist ins Wanken geraten. Dem Kirchbauverein sind Fördermittel aus dem Programm für die integrierte ländliche Entwicklung verwehrt worden. Dennoch hält der Verein weiter an seinem Vorhaben fest.

 
Stolz ragte der Hermsdorfer Kirchturm vor seinem Abriss im Jahr 1987 in die Höhe. Heute kämpft der Kirchbauverein für den originalgetreuen Wiederaufbau.
Foto: privat

"Die Enttäuschung ist groß und viele können es gar nicht verstehen", sagt Vereinsvorsitzender Reinhard Noack. Als vor wenigen Wochen für den Wiederaufbau des Kirchturmes in Dörrwalde der erste Spatenstich erfolgte, waren die Hermsdorfer noch voller Hoffnung, auch ihr Kirchturm-Projekt bald realisieren zu können. Doch inzwischen hat es der Verein nun auch schwarz auf weiß: Die lokale Arbeitsgruppe der LEADER-Region "Energieregion im Lausitzer Seenland" hat dem Hermsdorfer Kirchbauprojekt keine ausreichend hohe Priorität für eine Förderung bescheinigt. Die denkmalgeschützte Dorfkirche habe keinen Ortsbild prägenden Charakter und eine multikulturelle Nutzung des Gebäudes sei durch die Nähe des Friedhofes eingeschränkt.

"Das können wir aber nicht einfach so stehen lassen", sagt Reinhard Noack. Der Kirchbauvereinschef betont, dass die Hermsdorfer Kirche erst im Juni dieses Jahres vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege als "ein bedeutendes Zeugnis der Lausitzer Kulturlandschaft im Süden Brandenburgs" eingeschätzt wurde. "Und natürlich ist der Ortsbild prägende Charakter der Kirche nicht da, wenn der Glockenturm, der im Jahr 1987 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste, jetzt auf dem Gebäude fehlt", so Noack. Früher sei der Hermsdorfer Kirchturm bis Lipsa und Jannowitz zu sehen gewesen. Darüber hinaus sei die Kirche seit Jahren ein Ort, an dem Konzerte und insbesondere zum Tag des offenen Denkmals auch Ausstellungen stattfinden. Nicht ohne Grund sei der Hermsdorfer Kirchbauverein und sein Bauwerk 2009 mit einem Preis der Stiftung "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" geehrt worden.

Nach dem herben Rückschlag wollen die Hermsdorfer nun weiter Förderanträge schreiben. Rund 150 000 Euro wären allein für den Turmbau nötig. Bürger haben bisher insgesamt 16 000 Euro konkret für diesen Zweck gespendet.

"Sorgen macht uns nur, dass wir mit der Sanierung des Kirchengebäudes eigentlich nicht länger warten dürfen", erklärt Reinhard Noack. Die einzigartigen Bleiglasfenster müssen dringend geschützt werden. Auch Dach und Fassade sollten bald in Angriff genommen werden. Der Turm sollte dabei den Anfang markieren.

Von Catrin Würz

Lausitzer Rundschau vom 27. August 2010

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