Schäden an Bad Liebenwerdaer Nikolaikirche größer als erwartet

BAD LIEBENWERDA Die Schäden an der evangelischen Kirche St. Nikolai in Bad Liebenwerda sind zum Teil größer als erwartet. Dies ist bei den Sanierungsarbeiten zutage getreten. "Wir suchen jetzt angestrengt nach einer Lösung, wie wir die Mehrkosten begleichen können", sagt Superintendent Karl-Heinz Nickschick.

   
Zimmerer Holger Faßmann von einer Jessener Firma bessert Balken im Dachstuhl des Turmes aus. (o.)
Foto: Veit Rösler/vrs1

Handwerker Steffen Kretzschmann von der Firma Jost aus Dobra hat alle Hände voll zu tun. Mehrere Hundert Meter Fugen müssen an dem roten Klinkerbau neu gefüllt werden. Die Rüstung steht nur noch bis Ende September. (li.)
Foto: Veit Rösler/vrs1

Mit dem bisherigen Sanierungsverlauf ist er sehr zufrieden. Auch wenn es hinter der Rüstungsverkleidung von außen nicht erkennbar sei: »Alle Firmen leisten sehr gute Arbeit«, sagt der Superintendent anerkennend und denkt dabei auch an die große Hitzephase im Juli zurück. Im Inneren des Gotteshauses sei die Statik überprüft und daran anlehnend die gesamte Balkenkonstruktion generalüberholt worden. Fehlende und beschädigte Hölzer waren zu ersetzen.

Bis auf die Turmfenster, die aufgrund des finanziellen Rahmens noch warten müssen, seien inzwischen auch die Fenster restauriert worden, zählt Nickschick weiter auf. Vor allem die handgemalten Fenster seien zum einen wertvoller und zum anderen geschädigter als vermutet gewesen, so sein Fazit. Die ursprünglich von Bad Liebenwerdas Firmenchef Robert Reiss gestifteten Fenster im Chorraum seien mit einer Schutzverglasung versehen worden. Gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde soll die Wiederherstellung der schönen Fenster noch gefeiert werden, kündigt der Superintendent an.

Der Gemeindekirchenrat habe zudem zu beraten, mit welchen Zeitdokumenten die zum Abschluss der Sanierung wieder auf der Turmspitze anzubringende Kugel bestückt werden soll. Die Kirchturmuhr werde die Mitglieder ebenfalls beschäftigen, so Nickschick weiter. Das Uhrwerk sei bereits seit längerer Zeit reparaturbedürftig. Aus der Nähe sei jetzt aufgefallen, dass auch die Ziffernblätter dringend einer Erneuerung bedürfen. »Hier wird es eine Reparatur geben«, stellt der Superintendent in Aussicht.

Während die Dacheindeckung jetzt beginnt und etwa zwischen fünf bis sechs Wochen in Anspruch nehmen wird, bereiten den Kirchenmitgliedern um Karl-Heinz Nickschick momentan die Fugen am Kirchturm, insbesondere an der Westseite, großes Kopfzerbrechen. »Die sehen schlechter aus, als das von unten einzuschätzen war. Der Mörtel ist stellenweise sehr stark ausgewaschen«, beschreibt er die Situation. Wichtig sei, die Arbeiten zu erledigen, solange das teure Gerüst steht. Ende September soll es nach den gegenwärtigen Plänen abgebaut werden. Das Verfugen, das nur per Hand möglich ist, sei jedoch sehr arbeitsintensiv. Schon jetzt zeichne sich ab, dass auf der Schlussrechnung höhere Kosten stehen werden. Jetzt werde angestrengt nach einer Finanzierungslösung gesucht. Ein erster Schritt: Die Verfugung im unteren Bereich des Gotteshauses muss zunächst warten. Dort könne später auch ohne Gerüst weitergearbeitet werden, so Karl-Heinz Nickschick. Und sagt weiter: »Jetzt ist erst einmal der Turm wichtig.«

Mit der Sanierung der Nikolaikirche war im Schiff bereits im vergangenen Jahr begonnen worden. Nach dem langen Winter habe endlich das Gerüst errichtet werden können. Die geplante Gesamtbausumme beläuft sich auf 542 000 Euro. 60 Prozent werden durch die Kirche, 40 Prozent mithilfe von Städtebaufördermitteln getragen. Fest steht für den Bad Liebenwerdaer Superintendenten: »Diese Summe wird nicht zu halten sein.«

Von Antje Posern

Lausitzer Rundschau vom 12. August 2010

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