BENEFIZKONZERT: Amerika wird aktiv

Niederlehmer gewinnen Preis des Förderkreises Alte Kirchen – und einen neuen Verbündeten

 
Die Niederlehmer Kirche auf einer Postkarte aus den 1920er Jahren. Während der laufenden Festwoche zum 695-jährigen Ortsbestehen geht es auch um sie.
Foto: privat

NIEDERLEHME - Wenn er in New York über seine Heimat redet, sagt Reiko Füting "East Berlin", Ostberlin, darunter kann man sich in Manhattan etwas vorstellen. In der Regel erntet er auf beiden Seiten Neugier, auch daheim in Niederlehme, sobald er vom Leben jenseits des Atlantiks berichtet. Mitunter staunt der Wahl-Amerikaner auch selbst, wie über den Kirchförderverein in seinem Heimatdorf: Die Gruppe ist kaum ein Jahr alt und hat schon einiges gestemmt.

Der Brief, den Karin Frosch und Alexander Gütter an diesem Vormittag mitgebracht haben, ist vom 8. Juli. Die Geschäftsführung des "Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" gratuliert den Niederlehmern zum Förderpreis "Startkapital für neue Kirchvereine", 2500 Euro werden in ein paar Wochen überwiesen. Reiko Füting hat das Schreiben kaum überflogen, da kündigt Papierrascheln im Rücken die nächste frohe Botschaft an: Auch der Landkreis Dahme-Spreewald hat, nach Fürsprache des Naturschutzbundes, dem Verein Geld bewilligt: 1840 Euro, mit denen das Gelände hinter der Kirche hergerichtet wird. Die Niederlehmer wollen – noch diesen Herbst – eine Streuobstwiese anlegen.

Reiko Füting ist vom Engagement der Förderer sehr angetan. "In den USA ist gemeinnützige Arbeit völlig normal, man erreicht viel damit. Was der Verein hier leistet, erinnert mich daran", vergleicht der 40-jährige Musikprofessor. Seit 1995 lebt Füting in New York, er unterrichtet Klavier an der Manhattan School of Music. Voriges Silvester hatte er die offene Niederlehmer Kirche genutzt, sich an die Orgel zu setzen. So verwachsen wie mit dem Ort ist Reiko Füting mit ihr noch nicht, "aber das wird sich bald ändern", verspricht er. "Mein Ururgroßvater steht mit auf der Stiftungsurkunde der Kirche." Der vollständige Name des Hauptmanns Bulan will dem Nachfahren aber nicht einfallen. Nur so viel: Er hatte sich im Deutsch-dänischen Krieg 1864 in Preußens Armee verdient gemacht und war im Ort angesehen. Bulan gründete Niederlehmes Kriegerverein, der 1925 das Kriegerdenkmal aufstellen ließ – neben der Kirche, wo am Sonntag Ururenkel Reiko Füting spielt. Die Fördervereinsmitglieder haben ihn um ein spontanes Benefizkonzert für die Kirchsanierung gebeten. Er macht’s.

Die auf 16 Mitglieder angewachsene Gruppe kann jeden Euro gut gebrauchen. Bis zum 100. Geburtstag der Kirche 2014 soll das Gotteshaus, der einzige erhaltene Kirchbau in der evangelischen Lukasgemeinde, saniert sein. Beginnen wollen die Niederlehmer mit dem undichten Dach, anschließend wird das Mauerwerk trockengelegt und neu verputzt. Manfred Guder, Baubeauftragter des Neuköllner Kirchenkreises, schätzt, "dass es 350 000 Euro kosten wird, die Kirche komplett instandzusetzen, vielleicht sogar 400 000." Die Orgel, die eine Holzwurmkur braucht, nicht eingerechnet.

Erst mal steht das Sanierungskonzept, mit dem der Förderverein um weitere öffentliche Mittel werben kann. Das Geld vom Förderkreis Alte Kirchen kommt in den Topf zum Umbau der Heizung, 11 000 Euro kostet der, ist aber so gut wie gestemmt.

Benefiz-Orgelkonzert mit Reiko Füting und Werken von Bach, Händel, Mendelssohn; Termin: 1. August, 18 Uhr, in der Kirche Niederlehme. Kontakt zum Förderverein: 0 33 75/90 17 54. (Von Tanja Kasischke)

Märkische Allgemeine vom 27. Juli 2010

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