Turm der Johanneskirche im Verlauf der Zeit

Hoyerswerda 260 Jahre alt war die alte Turmhaube der Stadtkirche zu Hoyerswerda in der Kirchstraße, einem der ältesten Gebäude der Stadt, als sie im Jahre 1850 wegen Baufälligkeit abgetragen wurde. Viele fleißige Helfer waren daran beteiligt, den Zwiebelturm, der Kriege und Stadtbrände überstanden hatte, abzubauen.

     
Die Stadtkirche mit neugotischem Kirchturm. Er zierte die Kirche von 1850 bis 1945.
Fotos: Ch. V./Sammlung Ch. V.
Nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg war ein Holzkreuz der höchste Punkt der Johanniskirche. So sieht der 1985 im Stil des Zwiebelturmes von 1526 wiederaufgebaute Kirchturm auch heute aus.

Heute nun vor 160 Jahren, gab es für die Bürger der Gemeinde Hoyerswerda einen spannenden Moment. Lehrer Georg Werchan erinnert sich im Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda an diesen Tag: »Welch spannender Augenblick aber war es, als am Mittwoch, dem 17. Juli 1850, der herabgenommene Knopf des Kirchturms geöffnet wurde.«

Urkunden und Gedichte

Viele Menschen hatten sich als Zeugen versammelt, unter anderem der königliche Landrat, der Magistrat, die Herren Stadtverordneten, Baumeister Schodstädt und auch viele Gemeindemitglieder. In den beiden kupfernen Kapseln wurden drei Urkunden, eine von 1590, eine von 1608 und eine von 1637, gefunden. Des weiteren fand man Abschriften über Privilegien der Stadt, unter anderem von Kaiser Karl IV., lateinische und griechische Gedichte sowie alte Pergamente. Werchan schrieb im »Heimatbuch« weiter: »Doch leider gaben diese alten Blätter keine Nachricht über älteste versunkene Tiefen der Geschichte, keine der Urkunden lüftete den Schleier, der über der Gründungszeit und dem Werdens unserer Stadt gebreitet ist.« Wenig später, am 28. September 1850, wurde der neue Turm, ein hohes Zeltdach mit Spitzgiebeln, feierlich aufgesetzt.

Während der alte Turm gut zweieinhalb Jahrhunderte überdauerte, so stand der neue im neugotischen Stil gebaute Kirchturm, nicht mal ein volles Jahrhundert. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges, um den 19. April 1945, brannte die Kirche bis auf die Grundmauern nieder. Etwa 100 Jahre nach der ersten Turmerneuerung begann im Oktober 1951 die Sanierung des Turmstumpfes. Dieser wurde mit einem Notdach und einem Holzkreuz versehen.

Ein Wahrzeichen auch heute

Zwölf Jahre nach der Zerstörung konnte die Gemeinde ihre Kirche wieder in Benutzung nehmen, dies war zum Erntedankfest am 6. Oktober 1957. Bis 1985 war das Holzkreuz der höchste Punkt der Johanneskirche. Durch ein Sonderbauprogramm wurde der Turm wieder aufgebaut. Jedoch nicht der von 1850, sondern das barocke Vorbild welches ab 1526 die Stadtkirche zierte. Und wenn Lehrer Werchan 1925 schreibt: »Das Wahrzeichen dieser Stadt - ob die Fremden auf dem Schienenwege vorübereilen, ob Freunde deutscher Heimat unsere weite Heide durchwandern und aus dem Waldesdom heraustretend das Stadtbild schauen oder die Bewohner nach vollbrachten Tagewerken von ihren Arbeitsstätten und den Feldern dem friedenspendenden Heime zueilen, immer lenkt der Turm der evangelischen Stadtkirche die Blicke auf sich«, so bergen seine Worte auch heute noch viel Wahrheit in sich.

Von Christian Völker

Lausitzer Rundschau vom 17. Juli 2010

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