Große Pläne für Gubiner Kirchenruine

Guben/Gubin Die Planungen für die Sanierung der Gubiner Stadt- und Hauptkirche laufen auf Hochtouren. In dieser Woche konnte Günter Quiel vom Gubener Förderverein zum Wiederaufbau der Kirche mit dem Leiter des Collegiums Polonicum der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder), Krzysztof Wojciechowski, eine Zusammenarbeit in Fragen des Denkmal- und Kulturgutschutzes vereinbaren.

 
Neben der Kirche sollen innerhalb der nächsten zwei Monate vier Fachleute in einer Bauhütte ihre Arbeit aufnehmen.
Fotos: Jörg Ciszewski

»Wir werden bei den Arbeiten an der Kirche eng mit dem Lehrstuhl zum Schutz europäischer Kulturgüter des Collegiums Polonicum zusammenarbeiten und uns in Fragen des polnischen Denkmalschutzes beraten lassen«, so Quiel. Außerdem soll es eine Kooperation im Bereich des Archivwesens geben, um die Aufarbeitung des historischen Wissens über die Kirche, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht, zu optimieren. Der Verein hat gemeinsam mit seinem polnischen Partner, der Gubiner Stiftung »Fara Gubinska«, einen ehrgeizigen Zeitplan für das Bauprojekt von historischem Ausmaß: In den nächsten zwei Monaten soll eine Bauhütte neben dem einst imposantesten Sakralbau der Region mit vier Fachleuten aus Deutschland und Polen seine Arbeit aufnehmen, und die Sanierung des stark beschädigten 60-Meter-Kirchturms soll bereits in den kommenden zehn Monaten abgeschlossen werden. »Es wäre schön, wenn der Turm im kommenden Jahr während des Frühlingsfestes an der Neiße wieder begangen werden könnte«, so Quiel. In den nächsten 26 Monaten soll im Rahmen eines Architekturwettbewerbs über die Gestaltung des Kirchendaches und die Form der energetischen Versorgung des Bauwerks entschieden werden. »Dann können wir die nächsten Schritte einleiten«, so Quiel. Für das Nutzungskonzept des etwa 70 Meter langen Gotteshauses gibt es derzeit drei unterschiedliche Ansätze. Im Gespräch sind eine touristische Nutzung mit dem Turm als Anlaufpunkt, eine kommunale Lösung, in dem der Umbau des Kulturhauses neben der Kirche zu einem Hotel geplant und das Kirchengebäude als Veranstaltungsort vorgesehen ist, sowie einen wissenschaftlichen Ansatz, erläutert Quiel. In allen Varianten stehe der Begegnungsaspekt zwischen Deutschen und Polen im Vordergrund. »Das wissenschaftliche Modell sieht die Unterbringung eines Archivs für verloren gegangene Kulturgüter aus den ehemals polnischen Ostgebieten und den einstigen deutschen Gebieten jenseits von Oder und Neiße vor.« Derzeit laufen die Detailabstimmungen des polnisch-brandenburgischen Technischen Sekretariats in Zielona Gora über die Ausreichung der Fördermittel in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro. Der Förderverein erwartet eine Entscheidung Mitte dieses Monats.

Neben der Zusammenarbeit mit der Frankfurter Viadrina gibt es auch Kooperationsvereinbarungen mit den Universitäten in Zielona Gora und Breslau sowie der BTU in Cottbus.

Von Jörg Ciszewski

Lausitzer Rundschau vom 01. Juli 2010

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