DORFLEBEN: Ein Haus für alle Fälle

Damit die Krangener Kirche zum Mittelpunkt des Ortes wird, ist noch viel nötig auch Geld

KRANGEN - In Gedanken sieht Traugott Kuhnt schon vor sich, wie die Krangener Kirche einmal aussehen soll. Der Altar wird ein paar Meter weiter nach vorn versetzt, die Trennwand ebenso. Dahinter kann ein Raum für Feste und Versammlungen enstehen, ein Ort, an dem sich der Gemeindekirchenrat treffen kann oder der Ortsbeirat oder ein Verein. Wo auch mal Platz für eine Familienfeier sein könnte. Mehr Leben in der Krangener Kirche, das ist es, was sich Pfarrer Kuhnt wünscht. "Hier soll auch mal Rommé oder Skat gespielt werden können", sagt Kuhnt.

Für das kleine Krangen ist die Kirche ganz schön imposant. Sie steht mitten im Dorf und wurde doch lange vernachlässigt. Auch, weil es im Ort längst nicht mehr so viele Christen gibt wie früher einmal. Nur ab und zu gibt es noch Gottesdienste in Krangen. Die meiste Zeit steht die Kirche zwangsläufig leer. Das soll sich ändern. Die Krangener Kirche soll ein Ort für alle werden, für Christen wie Nichtchristen.

Dass das funktioniert, hat sich bei der Sanierung in den vergangenen Jahren schon gezeigt. Etwa beim Decken des maroden Daches. "Da haben alle mit angepackt", erinnert sich der Pfarrer. 40 Leute kamen. "An einem Tag haben wir die eine Hälfte gedeckt. Eine Woche später wieder an einem Tag die zweite Hälfte."

Vieles haben die Krangener nach der Wende in Eigenregie gemacht. Jetzt ist allerdings ein Punkt erreicht, ab dem die Sanierung in Eigenarbeit schwierig wird. Im März hat sich deshalb ein Förderverein gegründet, Kuhnt ist sein erster Vorsitzender. Ziel des Vereins: So viel Geld wie möglich aufzutreiben, um Sanierung und Umbau der Kirche vorantreiben zu können.

1977 hatten die Krangener in dem Bau schon einmal Hand angelegt. Im Nachhinein hat sich manches als Fehler erwiesen, doch damals waren die Möglichkeiten beschränkt. Das leuchtende Türkis des Altars hat sich bis heute gehalten, auch wenn Traugott Kuhnt die Farbe liegber heute als morgen loswerden würde.

Ein Restaurator hat an einigen Stellen unter der grellen Farbe alte Verzierungen freigelegt die man in dem schlichten klassizistischen Putzbau kaum erwarten würde. "Das ist nur Schablonenmalerei", sagt Traugott Kuhnt. Aber sie lässt ahnen, wie schön die Kirche einst gewesen sein muss.

Von der originalen Decke im Kirchenschiff ist nicht mehr viel übrig. Einst bedeckte ein Sternenhimmel in Gold und Blau die gesamte Decke. Übriggeblieben ist davon ein einzelner Stern über dem Prospekt der völlig zerstörten Orgel. Kinder haben das Instrument vor Jahrzehnten kurz und klein geschlagen. "Die Orgel ist nicht spielbar. Es ist auch nicht vorgesehen, sie wieder aufzubauen", sagt Traugott Kuhnt. Das wäre viel zu teuer.

Um die Kirche wirklich zum Mittelpunkt im Ort machen zu können, erhofft sich der Verein Unterstützung aus dem Leader-Förderprogramm. Der Ortsbeirat hat die Kirche mit auf die Prioritätenliste der Neuruppiner Ortsteile gesetzt. Eine moderne Heizung, dopplte Fenster zur Isolation, ein ordentlicher Fußboden, neue Elektrik und Toiletten sind nötig, damit die Kirche als Veranstaltungsort genutzt werden kann.

Was das alles kostet, weiß bisher niemand so genau. Aus dem Förderprogramm erhofft sich Kuhnt allerdings bis zu drei Viertel der Kosten. Der Förderverein soll sich darum bemühen.

Aber er soll noch mehr tun. "Es geht nicht nur darum, Geld zu beschaffen", sagt der Vereinschef. Er will auch dazu beitragen, die Vorbehalte im Dorf abzubauen. Dazu gehört unter anderem, dass der Friedhof, der sich einst rund um das Gebäude zog, auf einen kleinen Teil beschränkt wird. Einige Gräber wurden schon verlegt, andere sollen folgen. Die Idee dahinter: Wenn die Menschen nicht erst über den Friedhof laufen müssen, fällt es ihnen womöglich leichter in die Kirche zu kommen. "Es geht uns darum, dass die Kirche mit Leben gefüllt wird", sagt Traugott Kuhnt. (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 29. Juni 2010

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